Was ist bloss in den sonst so forschen und selbstbewussten Kanton Zürich gefahren? Sein Regierungsrat begnügt sich mit Mittelmass, bezeichnet sich selber als langweilig und lässt jeglichen Führungsanspruch in der Corona-Krise vermissen. Beispiel gefällig? Regierungsrat Mario Fehr (SP) – sonst überaus ehrgeizig, wenn es um seine Wahlresultate geht – kritisierte an der Medienkonferenz vom Freitag die «operative Hektik» in Bern und sagte: «Wir sind lieber langweilig, aber erfolgreich.»
Viele Kantone, auch Bern, haben in den letzten Tagen auf die steigenden Fallzahlen reagiert und selbstständig Massnahmen eingeführt, die über die Vorgaben des Bundes hinausgehen. Schliesslich sind in der «besonderen Lage», wie sie heute gilt, die Kantone im Lead.
Zürich nur Mittelmass
Nun sind also plötzlich die einst behäbigen Berner hektisch. Die sonst so gestressten und hippen Zürcher hingegen begnügen sich damit, hinter Bern «herzuhöseln» und andere Kantone wie das Wallis oder Schwyz zu kritisieren. Der Kanton Zürich ist Corona-mässig nicht viel erfolgreicher als seine Fussballclubs, biederes Mittelmass – das heisst in der Infektionsrangliste leicht besser als der Schweizer Durchschnitt. Das sind aber immer noch zwischen 500 und 1000 Ansteckungen pro Tag. Beileibe kein Ruhmesblatt.
Warum ist Zürichs Regierung plötzlich so bedächtig – eine einzige Medienkonferenz zu Corona pro Monat, verzichtet auf jeglichen Führungsanspruch und zögert ihre am letzten Mittwoch beschlossenen Nichtankündigungen bis zum Wochenende hinaus? Im Frühling war noch Gestaltungswille da; Mario Fehr machte den Bund geradezu lächerlich, als es ihm auf simple Weise gelang, die Passagierdaten von Einreisenden aus Risikoländern direkt am Flughafen abzuzapfen und anderen Kantonen zur Verfügung zu stellen.

