Die Villa Grunholzer ist ein Fixpunkt der Kulturlandschaft in Uster, ein Ort der Begegnung und des Austausches. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche sind diese notwendiger denn je. Und so war es nur allzu passend, dass Peter Schweiger, ehemaliger Direktor des Zürcher Neumarkttheaters und des Theaters St. Gallen, und Petra Ronner, Pianistin und Komponistin mit Affinität für experimentelle Musik, am Donnerstagabend zu ihrem Theaterstück « Grimassen. Ein Spiel mit Texten» einluden. Denn der Protagonist des Abends war niemand geringeres als einer der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts: Karl Kraus.
Scharf und unverschleiert
Karl Kraus war und ist ein Enigma. Er war Lyriker, Sprachphilosoph, Dramatiker, Kulturkritiker, aber auch: Polemiker. Seine moralische Klarheit war seiner unabdingbaren Kompromisslosigkeit geschuldet, entweder man war mit ihm, oder lag falsch.
Seine Worte waren unverschleiert, scharf, und stets irreversibel; ein verlässliches Licht im Dunkel ungestümer Zeiten: Sein Auflehnen gegen den Ersten Weltkrieg, verschriftlicht in seinem wohl bedeutendsten Werk «Die letzten Tage der Menschheit», einem satirischen Drama, etablierte ihn endgültig als moralische und literarische Instanz.
«Ich bin grössenwahnsinnig. Ich weiss, dass meine Zeit nicht kommen wird.»
Karl Kraus

