Als US-Präsident Donald Trump vor knapp drei Wochen in den Rosengarten des Weissen Hauses lud, um die Nominierung der konservativen Richterin Amy Coney Barrett für den Obersten Gerichtshof zu feiern, scherten sich die rund 200 Anwesenden nicht um die gängigen, auch in den USA gültigen Corona-Regeln: Abstand halten, Maske tragen, keine Umarmungen.
Dass dem Virus solche Trotzreaktionen egal sind, zeigte sich ein paar Tage später: Nicht nur Trump, sondern auch etliche der an der Zeremonie Anwesenden wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Gemäss der «New York Times»infizierten sich weit über 20 Personen im Rosengarten. Epidemiologen sprechen von einem Superspreader-Ereignis.
Ein paar Tage später in Zürich. Die Gesundheitsdirektion des Kantons verbietet vorübergehend Veranstaltungen in Salsa-Clubs, weil es an verschiedenen Anlässen zu mindestens 64 Ansteckungen gekommen ist: ein Superspreader-Ereignis.
Und Bundesrat Alain Berset warnte letzte Woche bei einem Besuch im Kanton Zug, dass es vor allem Privatanlässe seien, die «plötzlich viele Ansteckungen verursacht haben». Die zunehmenden Fallzahlen seien abhängig von Clustern, sprich: von Superspreadern.
Je länger die Pandemie dauert, desto klarer wird: Die meisten Ansteckungen mit dem Coronavirus erfolgen in Clustern, durch Superspreader. Das zeigte sich schon früh im Verlauf der Pandemie, mit Fällen aus Chorproben, aus Pflegeheimen oder von Familienfeiern. Das krasseste Beispiel stammt aus Südkorea: Dort steckte eine einzige Frau, «Patientin 31», in einer Kirche über 5000 Menschen an.

