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Politik

«Das Contact-Tracing hinkt. Das sei offen zugegeben»

Wie ernst ist die Corona-Lage in der Schweiz wirklich? Wann kommen die Spitäler an ihre Grenzen? Antworten von Rudolf Hauri, dem Präsidenten der Kantonsärzte.

Rudolf Hauri, ist die Corona-Situation ernst oder bereits dramatisch?
Rudolf Hauri: Die Situation bei den Neuinfektionen ist ernst, ganz eindeutig. Die Spitäler kommen damit im Moment noch zurecht. Doch wenn sich die Fallzahlen weiter so entwickeln wie bisher, dann werden die Hospitalisationen ein kritisches Ausmass erreichen – und die Kapazitäten der Spitäler werden nicht mehr genügen.

Wann wird dieser Moment erreicht sein?
Prognosen sind bei dieser Pandemie stets schwierig. Ich vermute, dass wir in den nächsten zwei Wochen einen starken Anstieg bei den Hospitalisierungen sehen werden. Die Lage ist momentan eine andere, als wir sie im Frühling hatten: Damals erkrankten viele Ältere, viele Risikopersonen. Heute ist die Gruppe der Erkrankten stärker durchmischt. Richtig kritisch wird das Ganze, wenn das Virus wieder vermehrt vulnerable Personen trifft.

Die Kantonsärzte sind vor allem für das Contact-Tracing zuständig, also die Verfolgung von Infektionsketten. Funktioniert es noch?
Das Contact-Tracing hinkt. Das sei offen zugegeben. Es trägt noch immer dazu bei, die Epidemie einzudämmen. Aber wir sind nicht mehr in der Lage, alle Infektionsketten in der erforderlichen Zeit nachzuverfolgen.

Warum hat man sich nicht besser vorbereitet?
Die Zahl der Neuinfektionen ist einfach zu schnell angestiegen. Wir können nicht Leute auf Vorrat ausbilden und einstellen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die nötigen Kapazitäten zu schaffen.

Wie ist die Situation bei Ihnen im Kanton Zug?
Auch wir haben im Moment Probleme. Sie werden auch bei uns Leute finden, die nach einer Covid-Meldung nicht zeitnah kontaktiert wurden. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das Schiff wieder auf Kurs bringen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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