Es gibt Menschen, die sich in einer Woche fünfmal auf Coronaviren testen lassen, aus Angst. Andere können nicht mehr aus dem Haus gehen, ohne ständig an das «Todesvirus» zu denken.
«Der Grossteil geht adäquat mit dem Ansteckungsrisiko um. Aber bei denjenigen, die von Haus aus ängstlicher sind, ist die Angst zum Teil massiv», sagt Monika Reber, Präsidentin des Vereins Berner Haus- und Kinderärzte. «Man sollte die Zahlen zu Corona in einen Kontext stellen», findet die Hausärztin in Langnau im Emmental.
Nutzen und Risiken
Das sieht auch Ingrid Mühlhauser so. Die emeritierte Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Universität Hamburg befasst sich seit mehr als zwanzig Jahren damit, wie sich der Nutzen und die Risiken von medizinischen Massnahmen verständlich darstellen lassen.
«Um die täglichen Fallzahlen einschätzen zu können, braucht es einen Bezugsrahmen und Vergleiche. Erst so kann man die Gefährlichkeit einer Erkrankung beurteilen», sagt Mühlhauser. «Absurd wird es, wenn die Ansteckungszahlen über die Monate addiert werden. Stellen Sie sich vor, wir würden die durch Bakterien oder Grippe verursachten Lungenentzündungen ähnlich aufsummieren.» Also denn:

