Der Wind pfeift uns um die Ohren. Regentropfen fallen. Mein Mann und unsere beiden Jüngsten tragen die Kisten durch den Obstgarten. «Müssen wir unbedingt in diesem Wetter mosten?», murrt der Nachwuchs. Ich erwidere schmunzelnd: «Dafür sind die Äpfel schon gewaschen!»
Wir steuern voller Vorfreude (jedenfalls ich) die drei Apfelbäume der Sorte Reglindis an. Letzte Woche hingen die aromatischen Früchte noch fest an den Ästen. Heute sollten sie reif sein zum Pflücken und Schütteln. Wenige Minuten später stehen wir fassungslos an unserem Ziel. Die Bäume sind leer. Auch liegen keine Äpfel am Boden. «So eine bodenlose Frechheit!», rufen die Buben erbost. Wütend wünsche ich den Dieben jämmerliche Bauchschmerzen beim Genuss dieser Äpfel.
Enttäuscht und traurig streifen wir durch die Baumreihen. Viele Sorten haben diesen Sommer nach dem kalten Mai und den folgenden, vielen trockenen Tagen gelitten und wenig Früchte angesetzt. Meine Ermahnung, keine faulen Äpfel einzusammeln, wird beherzigt. Ein Teil unserer Kisten füllt sich langsam mit Suugrauech, Boskoop, Reinetten und Berlepsch. Gottlob hat uns der Götti von Joachim noch zwei Schubkarren voll Schnideräpfel und Tobiässler gebracht.
«Damals gab es für 100 Kilo schönes Mostobst fast 100 Franken. Heute noch gut 20 Franken.»
Um die Zeit zu verkürzen, erzähle ich meinen Kindern, wie das früher war mit dem Mostobst. Wochenlang wandelten wir gebückt unter den Hochstammbäumen umher. Wie oft hatte ich als Kind bei dieser ungeliebten Arbeit an die Finger gefroren. Zuerst schüttelte mein Vater mit langer Stange die Äste. Das Fallobst wurde mit Kübeln gesammelt und in Jutesäcke gefüllt. Diese wurden auf das Brüggli am Traktor gehievt.

