Der Wald legt sich schützend über die Sommerhitze. Ich spaziere mit meinem Schatz an Lichtungen, Büschen, Wiesen vorbei und geniesse Stimmung und Zusammensein. Das war vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert, ich muss so um die 14 Jahre alt gewesen sein. Wieder sehe ich die Bäume vor mir, spüre das damalige Glücksgefühl, rieche die modrigen Pilze. Mein altes Tagebuch, das ich zufällig wieder gefunden habe, bringt mir diese Episode zurück, die ich längst vergessen habe.
Ich werde wieder ganz jung und sehe meinen damaligen Schatz vor mir. Im späteren Leben habe ich das Mädchen nie mehr gesehen, ich weiss nichts mehr über sie, habe keine Ahnung, wie ihr Leben verlaufen ist.
Beim Wiedererleben wirken die Begebenheiten wahrscheinlich viel romantischer und euphorischer als «im richtigen Leben». Wir neigen ja dazu, die Vergangenheit zu verklären: «Damals war alles viel besser.» Negatives blenden wir aus, Ärgerliches vergessen wir, warum soll man sich noch darüber ärgern?
Wäre es da nicht sinnvoller, gleich die Erinnerung zu leben? Ich finde, das ist eine gute Idee, leider nicht realistisch. Man könnte sich manche leidvollen Erfahrungen und Fehlentscheidungen ersparen. (Guy A. Lang)

