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Politik

Walder wollen Tempo 30 in ihren Quartieren

Während zwei Traktanden diskussionslos angenommen wurden, sorgte eine Initiative der Grünen an der Walder Gemeindeversammlung vom Dienstag für Voten zu Kinderleben und angeblich mangelnden Polizeikontrollen.

Um 20.20 Uhr war der Herr in der dritten Reihe, das halbe Gesicht von einer falsch herum aufgesetzten Maske bedeckt, eingenickt. Zu dem Zeitpunkt dozierte der Finanzvorstand der Gemeinde Wald, Urs Cathrein (FDP), zur Rechnung 2019. Angefangen hatte er 15 Minuten vorher mit dem Satz: «Ich gehe davon aus, dass sie die Zahlen, die wir auf unserer Internetseite publiziert haben, schon genauestens studiert haben» und es wurde aus dem Kontext nicht ganz klar, ob das trockener Finanzer-Humor oder purer Ernst war.

Er präsentierte die Zahlen dann doch nochmals: Die Rechnung schloss mit einem unvorhergesehenen Plus von 4 Millionen, während den Ausführungen von Cathrein zu diesem Umstand fiel unter anderem der Satz «wir sind immer wieder überrascht, wie viele Liegenschaften in Wald gehandelt werden und langsam auch zu was für Preisen». Zur Abstimmung weitere zehn Minuten später wachte der Herr in der dritten Reihe wieder auf. Er nahm die Rechnung an, wie auch alle anderen der 201 in der reformierten Kirche anwesenden Stimmberechtigten, mit einer Ausnahme.  

Langzeitdirektvergleich

Der strittigste Punkt des Abends war das zweite Traktandum: Die Grünen wollten mittels einer allgemein anregenden Initiative erreichen, dass der Gemeinderat eine Vorlage für Tempo 30 auf allen Quartierstrassen von Wald ausarbeiten muss, um diese in 18 Monaten wieder der Gemeindeversammlung vorzulegen. Die Mitinitiantin Corina Gatzsch fand, werde das Anliegen umgesetzt, gäbe es nur Gewinner. Die denn wären: Die Kinder, die Eltern, die betagten Personen und die Autofahrer. Das Anliegen wurde vom Gemeinderat und der Rechnungsprüfungskommission unterstützt.

Dagegen waren hingegen einige der Anwesenden. Ein Stimmberechtigter im grobkarierten Kurzarmhemd reklamierte, dass er seit 60 Jahren an der Friedhofsstrasse wohne und seit 30 Jahren gelte da Tempo 30. Sein Fazit aus diesem Langzeitdirektvergleich: «Die Initiative ist gut, keine Frage, aber sie bringt’s nicht, weil es nicht umgesetzt wird.»

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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