Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Ein Kredit, Kritik und klare Worte

Dass das Garderobengebäude auf dem Sportplatz neu gebaut werden soll, passt nicht allen in Pfäffikon. Der Vorwurf: Der Fussballclub würde bevorzugt behandelt. Wie Gemeinderätin Rajka Frei (SVP) ausführt, geht es dabei aber keineswegs um Gefälligkeiten für den FC.

Das neue Garderobengebäude Barzloo soll neben Räumen zum Umziehen auch Platz für ein «Club-Beizli» bieten.

Visualisierung: PD

Ein Kredit, Kritik und klare Worte

Risse in Wänden und Böden, undichte Stellen im Flachdach – das Garderobengebäude auf dem Sportplatz Barzloo ist in einem miserablen Zustand. Der Gemeinderat bringt darum am 27. September einen Kredit für einen Ersatzneubau in der Höhe von 3‘386‘500 Franken an die Urne. Dass sich das Gebäude in einem maroden Zustand befindet, ist unbestritten, der Zulauf zum FC ungebremst. Trotzdem gibt es kritische Stimmen.

Heidi Labhardt, die beim Aufbau des Cevi Pfäffikon vor 40 Jahren mitbeteiligt war, sieht nicht ein, warum der Fussballclub «bevorzugt» wird: «Es geht nicht an, dass einfach ein einzelner Verein Millionen von Steuergeldern bekommen soll.» Die Cevi Schür sei mit Sponsorenläufen, Spenden und Fronarbeit aufgebaut worden. «Und der FC will eine Garderobe für über 3,3 Millionen Franken.»

Umgezogen erscheinen?

Ursprünglich geplant war, dass die Gemeinde Hittnau, aus der rund 10 Prozent der Mitglieder des FC Pfäffikon stammen, sich finanziell am Projekt beteiligt. Dieser Forderung kam die Hittnauer Behörde nicht nach. Sie verwiesen unter anderem darauf, dass sie sich der Förderung ortsansässiger Vereine verschrieben hätten.

«Eine Ungerechtigkeit gegenüber den anderen Vereinen, die nie solche Ansprüche stellen würden.»

Heidi Labhardt

Für Labhardt absolut nachvollziehbar. «Kein Wunder weigert sich die Gemeinde Hittnau, sich an so einer Luxusdusche zu beteiligen.» Ihrer Meinung nach könnten die Fussballspieler bereits umgezogen auf den Sportplatz kommen und duschen, wenn sie wieder zuhause sind.

Die Gemeinde habe dem FC bereits einen grossen Sportplatz ermöglicht, während sich die anderen Vereine mit der bestehenden Infrastruktur begnügen. «Aber was die Gemeinde hier zur Wahl stellt, ist eine Frechheit gegenüber dem Steuerzahler und eine Ungerechtigkeit gegenüber den anderen Vereinen, die nie solche Ansprüche stellen würden.»

Rajka Frei (SVP), Pfäffiker Liegenschaftenvorsteherin und zuständig für das Projekt, betont, dass der Neubau der Garderobe keineswegs auf Wunsch des FC angegangen wurde. «Die Garderobe befindet sich im Besitz der Gemeinde und es ist unsere Aufgabe, unsere Liegenschaften zu erhalten.» Die nötigen Arbeiten seien während vieler Jahre immer weiter hinausgeschoben worden. «Jetzt lässt sich das Projekt nicht weiter aufschieben.»

Eine Sanierung des aktuellen Gebäudes würde keine Kostenersparung mit sich bringen und wurde bereits zu Beginn der Planung ausgeschlossen. Das Hauptproblem ist nämlich die Lage der Garderobe. «Die Bausubstanz ist marode, da die Kabinen auf einer ehemaligen Grube und dadurch weniger gefestigtem Grund steht», sagt Frei. 

Duschpflicht beim FC

Der Vorschlag von Heidi Labhardt, die Sportler sollen bereits umgezogen erscheinen und nach dem Spiel zu Hause duschen, hält die Gemeinderätin für illusorisch. «Nicht nur wegen der Hygiene – im FC Pfäffikon herrscht Duschpflicht, auch für Junioren – sondern gerade in kalten Monaten wäre es fahrlässig, nass durchgeschwitzte Kinder auf den Heimweg zu schicken.»

Ganz zu schweigen von Gastmannschaften, welche für Turniere nach Pfäffikon kommen. «Zudem stehen auch jenen Vereinen, welche die Infrastrukturen wie Turnhallen nutzen, Garderoben zur Verfügung.»

«​​​​​​​Generationenprojekt» Barzloo kommt an die Urne

12.07.2020

Pfäffiker haben letztes Wort

Das Pfäffiker Stimmvolk stimmt am 27. Beitrag in Merkliste speichern Was die Finanzierung angeht, rechnet der Gemeinderat mit Beiträgen aus dem Sportfonds in der Höhe von knapp 340’000 Franken. «Und der FC beteiligt sich seinerseits mit 250‘000 Franken am Projekt», sagt Rajka Frei. «Ein Betrag, der seitens der Gemeinde ursprünglich tiefer angesetzt wurde.»

Zudem wird die Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem FC angepasst: Der jährliche Beitrag für Betriebsaufwendungen von heute 45’000 Franken auf 20’000 Franken gekürzt. «So werden innert zehn Jahren weitere 250’000 Franken weniger für der FC ausgegeben.» 

«Wir haben aus Hittnau ein klares Nein erhalten, das wir zwar bedauern, aber akzeptieren müssen.»

Rajka Frei (SVP), Liegenschaftenvorsteherin

Was die Beteiligung der Gemeinde Hittnau angeht, fordert auch die Rechnungsprüfungskommission sowie die Pfäffiker FDP, dass man die Gespräche mit den Verantwortlichen noch einmal aufnimmt. Aber: «Eine Kostenbeteiligung kann nur auf freiwilliger Basis erfolgen», sagt Frei. Für eine Verpflichtung fehle die rechtliche Grundlage. «Wir haben aus Hittnau ein klares Nein erhalten, das wir zwar bedauern, aber akzeptieren müssen.» Weitere Gespräche seien darum nicht geplant.

Kritik am Gemeindepräsidenten 

Am 31. August fand eine Informationsveranstaltung zum Bauprojekt statt. «Neben Vertretern der Gemeinde und dem FC waren gerade mal drei Interessierte vor Ort», sagt Frei. «Dies wäre auch der richtige Ort gewesen, um grundsätzliche Kritik anzubringen und zu diskutieren.»

Denn ein weiterer Vorwurf von Heidi Labhardt zielt direkt auf Gemeindepräsident Marco Hirzel (SVP), der elf Jahre das Präsidium des Fussballclubs innehatte. «Da sind solche Interessensvertretungen ja vorprogrammiert», kritisiert sie.

«Eine Gemeinde kann sich glücklich schätzen, wenn sie gut funktionierende Vereine hat.»

Marco Hirzel (SVP), Gemeindepräsident

Marco Hirzel relativiert: «Es gab schon zu meiner Zeit als FC-Präsident Stimmen die sagten, der FC Pfäffikon würde bevorzugt behandelt.» Der FC habe aktuell 700 Mitglieder und davon sind 83 Prozent jünger als 30 Jahre. «Eine Gemeinde kann sich glücklich schätzen, wenn sie gut funktionierende Vereine hat», sagt er. Zudem wurde der FC vom Fussballverband Region Zürich in den letzten 15 Jahren immer als einer der vorbildlichsten Fussballvereine des Kantons ausgezeichnet.

Zum Vorwurf, andere Vereine würden weniger unterstützt, kontert Hirzel: «Es liegt uns momentan von einem einzigen anderen Verein ein Gesuch um Unterstützung vor», sagt er. «Dieses Gesuch ist im Budget 2021 zu 100 Prozent berücksichtigt.»

«Pfuus vom Tschuttihuus»

A nalog zum Chesselhuus und dem Schulhaus Mettlen soll auch auf dem neuen Garderobengebäude eine Photovoltaikanlage eingerichtet werden, an der sich die Pfäffiker Bevölkerung beteiligen kann. Denn neben der Warmwasseraufbereitungsanlage – die vom heutigen Garderobengebäude übernommen wird – bietet der Neubau Platz für weitere Solarzellen. Diesen stellt die Gemeinde den Werken zur Verfügung. Nach «Pfuus vom Chesselhuus» und «Pfuus vom Schuelhuus» sollen Pfäffikerinnen und Pfäffiker sich einen Teil der Solaranlage sichern können. Der auf der betroffenen Fläche produzierte Sonnenstrom wird auf der Stromrechnung gutgeschrieben und direkt ins Netz eingespiesen.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns