Schon wieder Geburtstag, schon wieder Ostern, schon wieder Silvester – wie doch die Zeit verrinnt, vergeht, wie Eis an der prallen Sonne. «Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man sie», heisst es im «Rosenkavalier» von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Die beiden haben es erfasst – kaum realisiert man die Zeit, ist sie schon wieder vergangen.
Allerdings kann sie das gar nicht – sie ist allgegenwärtig, sie ist immer da, sie verschwindet nicht, sie ist unfassbar. Bilden wir Menschen uns nur ein, dass es die Zeit gibt? Schliesslich ist sie ein künstliches Gebilde, eine Einteilung von Menschen erschaffen. Ihr Messinstrument, die Uhr, dient dazu, uns zu disziplinieren. Fakt ist, dass unsere Körperkräfte ab 25 von Stunde zu Stunde abnehmen, dass wir – je älter wir werden – mehr und mehr vergehen, bis wir …
Wir Menschen haben die Tendenz, niemals die Schuld bei uns zu suchen, schieben wir unseren langsamen, natürlichen Abbau der Zeit zu. Wir machen sie dafür verantwortlich, weil sie so schnell verrinnt. Wir können wieder einmal nichts dafür, dass wir schwächer werden. Wir wundern uns nur, dass die Zeit immer schneller vergeht.
Vielleicht sollten wir den Wecker eine Stunde früher stellen, dann haben wir mehr Zeit. (Guy A. Lang)

