Mit der Milch in der Hand steure ich sofort wieder Richtung Kasse. In Gedanken versunken merke ich nicht, dass sich eine längere Schlange vor der Kasse gebildet hat. Abrupt bleibe ich stehen, als ich griesgrämige Blicke von der Seite her erhasche. Da wird mir klar, was die Leute wohl gedacht haben. Also setze ich ein Lächeln auf, gehe mit grossen Schritten und einem erstaunten «Oha! Oha!» wieder an der Schlange vorbei bis zu ihrem Ende und stelle mich an.
Die Schlange bewegt sich nur sehr langsam, bis ich endlich zu den vordersten zwei gehöre. Da ertönt hinter mir eine sehr erboste, laute Männerstimme: «Das isch doch nöd zum glaubä, wenn eine es Schoggistängeli chlaut, denn hät mer das grad mit dä Kamera feschtghalte und stellt dä Dieb. Aber dass mer ä zweiti Kasse söt ufmache, das gseht ä keine.» Der Rest der Schlange stehenden Menschen verhält sich mucksmäuschenstill. Wenige Sekunden später geht tatsächlich eine zweite Kasse auf.
Die Kindergärtnerin ist am Telefon und erklärt mir: Meine Tochter hätte einen «Schnudi».
Nachdem ich bezahlt habe und gerade den Laden verlassen will, treten zwei Frauen mit einem Kind ein – ohne Masken. Die Schiebetüre hinter ihnen hat sich noch nicht einmal geschlossen, da ertönt schon eine Stimme: «Händ sie kei Maske? Sie müend e Maske alegge.» Ich drehe mich um und sehe eine Kundin, die mit dem Finger auf die beiden zeigt.
Wie es ausging, weiss ich nicht. Ich verliess vorher den Laden. Zu Hause angekommen, fühle ich mich irgendwie irritiert und müde.

