Schon wieder Probleme, schon wieder beissende Kritik, schon wieder schlechte Presse: «Ein Witz» sei die Schweizer Corona-App. Gesagt hat das diese Woche ausgerechnet der Chef der Firma, die im Auftrag des Bundes die Hotline zur App betreibt – an einer Konferenz mit Vertretern der Gesundheitsbranche.
Nur Stunden später erscheint jener Mann, der die App verantwortet, zum vereinbarten Gespräch: Sang-Il Kim, seit dem 1. April neuer und erster Leiter der Abteilung Digitale Transformation im Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Auf dem Peak der ersten Corona-Welle hat Kim seinen Job angetreten. Kurz davor war ausgekommen, dass Ärzte und zum Teil auch Labors Fallmeldungen per Fax ans BAG übermitteln. Es war der Moment in der Krise, als offensichtlich wurde, dass das Gesundheitswesen in der Schweiz technisch nicht auf der Höhe ist. «Ich wusste, auf was ich mich einlasse», sagt Kim – dessen Stelle lange vor Corona im letzten Herbst ausgeschrieben worden war. Das Gesundheitswesen habe bei der Digitalisierung viel nachzuholen, konstatiert er nüchtern.
Mit meiner Doppelausbildung war ich plötzlich ein gefragter Mann.
Sang-Il Kim
Corona hat offengelegt, woran es vor allem harzt: Informationen fliessen nicht schnell und zuverlässig genug von der Front an zentrale Stellen wie das BAG. «Hier wurde in der Vergangenheit kaum investiert – bei den Gesundheitsinstitutionen genauso wie bei Bund und Kantonen», sagt Kim.

