Mehr als 4500 Personen sitzen derzeit in der Schweiz in Corona-Quarantäne, weil sie mit einer infizierten Person engen Kontakt hatten. Eigentlich müssten es aber viel mehr sein: Derzeit werden rund 20 Prozent der infizierten Kontakte übersehen, schätzt Sebastian Bonhoeffer, Professor für theoretische Biologie an der ETH Zürich.
Der Grund dafür ist ein Fehler in den wissenschaftlichen Grundlagen für das Contact-Tracing. Dabei müssen Infizierte alle Personen angeben, mit denen sie Kontakt hatten, während sie ansteckend waren. Bisher nehmen die Behörden an, dass dieser Zeitabschnitt 48 Stunden bevor erste Symptome wie Husten oder Verlust des Geruchssinns einsetzen beginnt.
Fehler in wichtiger Studie aufgespürt
Bonhoeffer, der auch Mitglied der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes ist, sagt nun: «Ich empfehle, dass man in Zukunft weiter zurückschaut, etwa drei bis vier Tage vor Symptombeginn.» Es geht um eine heikle Phase: Ein Infizierter hat keine Anhaltspunkte dafür, dass er das Virus in sich trägt und weitergeben könnte. Rund die Hälfte der dokumentierten Weiteransteckungen finden darum in diesen Tagen vor dem Auftreten der Symptome statt, wie Bonhoeffer sagt.
«Ich empfehle, dass man in Zukunft weiter zurückschaut, etwa drei bis vier Tage vor Symptombeginn.»
Sebastian Bonhoeffer, ETH-Professor

