Der grosse Oberländer Glacé-Test
Die Region schwitzt, auch die Seen bringen mit den steigenden Temperaturen nicht mehr genügend Abkühlung. Die einzige Lösung: Glacé! Und zwar nicht irgendwelches, sondern hochqualitative Produkte, die auch hier hergestellt wurden. Die Redaktion hat sich die Kreationen von sieben verschiedenen Glacéproduzenten zu Gemüte geführt und nicht nur Geschmack, sondern auch Präsentation bewertet.

Welches Glacé aus der Region… src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2020/08/12/img_20200807_141236.jpg?h=8efa48b0&itok=rcinp4ac” width=”994″ height=”559″ alt=”… schmeckt wie gut?” class=”no-tts image-style-np8-full” /> … schmeckt wie gut?
src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.clont.net/zom/archiv/media/2020/08/12/img_20200810_150854.jpg?h=d03a0c13&itok=79ldmfgj” width=”994″ height=”559″ alt=”welches glacé aus der region…” class=”no-tts image-style-np8-full” /> Welches Glacé aus der Region…

… schmeckt wie gut?
Das grosse Fazit: In der Region gibt es an vielen Ecken feine Glacé, die es zu entdecken gilt. Da lohnt es sich auch, mal einen etwas längeren Weg zu einem Hoflädeli auf sich zu nehmen. Denn dort kommt man oft an Sträuchern und Stauden vorbei, an denen man den Zutaten direkt beim Wachsen zusehen kann.
Richtige Tiefflieger haben wir – zum Glück – nicht entdeckt. Dafür einige Sorten, denen wir einen Tag nach der Degustation bereits etwas nachtrauern.
Grapefruit-Sorbet vom Breitacherhof Hinwil: 4 von 5 Punkten
Das Grapefruit-Sorbet aus Hinwil könnte man wohl als «leichtesten» Kandidat in der Auswahl bezeichnen. Das Gewicht der Glacés des Breitacherhofes variiert stark je nach Geschmack, so bekommt man für 3.50 Franken je nach dem 65 Gramm Grapefruit-Sorbet oder 90 Gramm Pfefferminz-Glacé mit Stracciatella-Körnern.
Das luftige Grapefruit- Sorbet überzeugt dabei auf der ganzen Länge: ein fruchtiger Geschmack, nicht zu klebrig, nicht zu sauer, nicht zu süss. Eine harmonische Geschmacksbombe für heisse Tage.
Die Glacétöpfli sind derweil sehr einheitlich gehalten. Auf dem Becher ist eine breite Auswahl an Früchten wie etwa Kirschen oder Brom- und Erdbeeren abgebildet. Rein vom Design her könnte gerade so gut Konfitüre darin abgefüllt sein – Grapefruits sucht man indes umsonst.
Neben vielen Sorbets und Rahmglacé-Aromen wie Mocca, Zimt oder Eierlikör fertigt die Familie Schwarzenbach auch Sorten wie Vanille, Schoggi, Haselnuss oder Mocca aus Ziegenmilch ihrer Brienzerziegen her. Diese sind gemäss Website feiner im Aroma.
Preis: 3.50 Fr. für 65g
Sorten: rund 30
Verkaufsstellen: Breitacherhof Hinwil
Zwetschgensorbet vom Juckerhof Seegräben: 5 von 5 Punkten
Für das hofeigene Glacé haben die Verantwortlichen des Juckerhofs in Seegräben die Gelatieri des Dieci-Imperiums ins Boot geholt. Die Zutaten, die den Glacés ihre Geschmacksrichtung verleihen, stammen direkt von einem der Höfe. So etwa die Zwetschgen für das Zwetschgen-Sorbet direkt vom Juckerhof in Seegräben. Letzteres schmeckt so natürlich, als würde man direkt in eine gefrorene Zwetschge beissen, einfach noch süsser und besser. Und obwohl es sich um ein Sorbet handelt, könnte man meinen, man schleckt gerade ein Rahmglacé – und könnte somit wohl auch jeden Sorbet-Kritiker überzeugen.
Im klassisch schlichten Jucker-Design gehalten ist auch der Glacébecher ein Augenschmaus. Die geschwungene Schrift erinnert als ein hausgemachtes Geschenk von Oma, die kleine Zeichnung einer Zwetschge passt zum Gesamtbild. Die acht Sorten sind untereinander auch farblich abgestimmt, sodass die Glacé-Auswahl einen bunten Regenbogen bildet. Bestimmt das Speziellste der Runde ist das Kürbis-Glacé.
Preis: 4.90 Fr. für 120ml
Sorten: 8
Verkaufsstellen: Juckerhof Seegräben, Bächlihof Jona
Pistache-Glacé vom Steiner-Beck: 3 von 5 Punkten
Ein Blick in die Kühltruhe der Steiner-Bäckerei macht es einfach, den Glacé-Lieblingsgeschmack zu entdecken. Die Sorten sind mit grossen Fotos auf den Deckeln der Becher gekennzeichnet. Neben ausgefallenen Kombinationen wie «Dänemark» sind natürlich auch die Klassiker wie Vanille oder Schokolade einzeln zu finden. Im Mittelfeld dazwischen dürfte die Geschmacksrichtung Pistache anzusiedeln sein. Diese Glacé ist geschmacklich solid und die Pistazie schmeckt man gut raus. Jedoch fehlen die Zusätze, welche die ordentliche Basis erst richtig spannend machen: eine salzige Note oder Stückchen, die Nuss-Glacés jeglicher Couleur aufzuwerten vermögen. Auch das Design des Bechers ist so unaufregend wie die Glacé selbst. Der «Steiner»-Schriftzug, der sich auf allen Kaffeebechern wiederfindet, prangt auch hier. Ein Pluspunkt ist die grosse Auswahl, die es in insgesamt 26 Filialen im ganzen Kanton im Angebot gibt – das Glacé für unterwegs, egal wo.
Preis: 3.60 Fr. für 90g
Sorten: 20
Verkaufsstellen: Steiner-Filialen in Dübendorf, Fehraltorf, Grüningen, Hinwil, Hittnau, Mönchaltorf, Uster, Wald, Wetzikon, Wolfhausen
Kofler-Glacé: Zitronen-Sorbet: 5 von 5 Punkten
Die Zeiten der Wetziker Confiserie Kofler sind längst vorbei. Heute stellt das Café und die Produktion der zweite Standbein der Konditorei Janz aus Wila dar. Geblieben ist das Kofler-Glacé, das weiterhin in Wetzikon hergestellt wird. Die Glacés werden aber nicht nur in den Cafés in Wila und Wetzikon verkauft, sondern quer durch die Schweiz transportiert.
Schon bevor man den Deckel des Glacékübelis entfernt, um zur kühlen Pracht zu kommen, besticht das Produkt bereits durch sein Design. Die klassisch hellblau-weissen Streifen auf dem Becher würden jeden Hipster in Zürich zufriedenstellen. Die Abbildung von Zitronen auf dem Deckel wirkt ansprechend und die Aufmachung wirkt nicht überladen sondern erinnert an Ferien und Strand. Im Kübeli geht es auf dem gleichen hohen Niveau weiter. Das Sorbet besticht mit einer erfrischenden Zitronennote, die überhaupt nicht künstlich wirkt. Die Konsistenz ist weder zu cremig oder zu wässerig ist. Derweil hält sich die Masse in der Hitze relativ lange und schmilzt nicht sofort dahin, dafür verläuft es angenehm auf der Zunge.
Preis: 4.50 Fr. für 150ml
Sorten: rund 20
Verkaufsstellen: Janz-Cafés in Wila und Wetzikon
Karibik-Glacé der Confiserie Hotz: 3 von 5 Punkten
Echtes Karibik-Feeling direkt aus dem Glacébecher? Die Kombination der drei Aromen Kokosnuss, Vanille und Limetten lässt die Hoffnung aufkeimen. Sie harmonieren denn auch sehr gut miteinander: Der Vanille-Geschmack dominiert, Kokos und Limetten geben dem ganzen einen dezenten Beigeschmack, genau so sollte es sein.
Richtiges Karibik-Feeling will aber trotzdem nicht richtig aufkommen. Man schwitzt zwar wohl etwa gleich fest wie etwa auf Aruba oder Curaçao, den Alltag kann die Kreation aus dem Hause Hotz aber eben doch nicht ganz wegwischen.
Dies liegt nicht zuletzt am Becher. Da dürfte man wohl bei den Produktionskosten etwas gespart haben, besteht er doch lediglich aus einer dünnen Kartonschicht. Das Material wird schnell durchnässt, wenn das Glacé schon etwas länger rumsteht, und zerfällt fast. Mit dem knalligen Himbeerrot vom Logo und dem schwarzen Deckel setzt der Becher zudem eher gewöhnungsbedürftige, farbliche Akzente.
Preis: 4.40 Fr für 150g
Sorten: rund 10
Verkaufsstellen: Hotz-Filialen in Dübendorf, Fällanden, Schwerzenbach, Pfäffikon, Brüttisellen, Uster
Joghurt&Amarenen-Glacé aus Uster: 3 von 5 Punkten
Die Milch der Kühe auf dem Weisslinger Nägelihof macht eine kurze Reise, bevor sie als Glacé wieder im Hofladen landet. Im Restaurant Arena in Uster wird sie nach original italienischem Rezept zu Gelati verarbeitet und auch dort zum Kauf angeboten. Joghurt&Amarenen dürfte man denn auch als eine besonders italienische Sorte bezeichnen, ist die Amarenakirsche doch in Italien eine der drei Hauptsorten der Sauerkirschen.
Der Becher sticht durch seine ungewöhnliche Form heraus. Im Gegensatz zu den anderen Glacékübeli der Auswahl ist dieses nicht sehr hoch, dafür umso breiter. Somit bietet die kühle Masse viel Angriffsfläche, um den Löffel gierig reinzustecken.
Der erste Biss ist dann jedoch etwas zu intensiv, der Amarena-Geschmack – der nicht künstlich, sondern natürlich-fruchtig ist – knallt leider etwas gar heftig auf die Geschmacksknospen. Interessanterweise jedoch nur in der obersten Schicht, darunter kommt eine dezentere Textur zum Vorschein, die an eingedickten Joghurt erinnert.
Preis: 3.80 Fr. für 120g
Sorten: rund 15
Verkaufsstellen: Restaurant Arena Uster, Nägelihof Weisslingen
Brombeer-Sorbet vom Talacherhof Illnau: 4 von 5 Punkten
Auf dem Talacherhof in Illnau fällt der erste Blick auf die unzähligen Brombeersträucher, die sich schön in Reih und Glied neben dem Hoflädeli aufreihen. In der Tiefkühltruhe im Laden ist daher der Griff zum Brombeer-Sorbet ein Muss. Der Geschmack ist so fruchtig, dass man nicht das Gefühl hat, sich gerade einen doch eher ungesunden Snack zu gönnen. Und mit Blick auf die Brombeerstauden und dem Wissen, dass die Zutaten hier vor der eigenen Nase wachsen, schmeckt das Glacé gleich doppelt so gut.
Die lange Liste der über 30 Glacésorten, die hier je nach Saison verkauft werden, beinhaltet auch durchaus exotischere Varianten, wie etwa Kokosnuss, Banane, Mango oder Passionsfrucht.
Die Kreationen vom Talacherhof sind die einzigen der Testkandidaten, die nicht etwa in ein Kartonkübeli, sondern in einen Behälter aus Plastik abgefüllt werden. Dies ermöglicht zwar einen Blick ins Innere, wo die einzelnen Brombeerkerne gut zu sehen sind, gleichzeitig schellen jedoch die Klimaschutz-
Alarmglocken.
Preis: 3.20 Fr. für 120ml
Sorten: über 30
Verkaufstelle: Talacherhof Illnau
Zwar lässt sich über Geschmack nicht streiten. Und trotzdem: Stimmen Sie unserer Bewertung zu? Oder haben wir einen wichtigen Produzenten vergessen? Melden Sie sich mit einem Foto ihres Glacés und Ihrer Meinung via E-Mail an redaktion@zol.ch.
