Das Rezept klang verlockend für einen heissen Sommertag: Wassermelonensalat mit Fetakäse, Gurken, Tomaten, Oliven und viel Basilikum. Nun weiss ich, dass es die besten Wassermelonen in einem türkischen Supermarkt gibt, also nichts wie hin.
Schon vor dem Eingang roch es verführerisch stark nach Koriander, Kreuzkümmel, Chili und weiteren exotischen Gewürzen, dazu schwer duftende Parfumschwaden – ich fühlte mich in einen orientalischen Bazar versetzt. Geräusche, Töne und Melodien einer mir unverständlichen Sprache, Rituale des Bestellens, Begutachtens und Feilschens um Gemüse, Früchte und Waren.
Dann erblickte ich rehbraune, dunkle Augen. War es möglich, dass Scheherazade sich in dieses Geschäft verirrt hat? Zartgliedrig schwebte sie vorbei, begutachtete Früchte und liess sich stark gesüssten Tee im Glas reichen. Mit verführerischer Geste winkte sie mich heran – ich kam mir vor wie Sindbad der Seefahrer oder Kalif Harun al Rashid, griff nach dem Teeglas…
Eine männliche Stimme fragte mich, wie viele Kilos Wassermelone ich wolle. Aus der Traum, ich war wieder in der brutalen Realität des Ladens. Bazar, Scheherazade , Orient – alles verflogen.
Der Salat war köstlich. (Guy A. Lang)

