Der Vorschlag ist brisant. Die Post soll nicht mehr jeden Tag vorbeikommen und Briefe verteilen. In «Le Matin Dimanche» fordert Samuel Rutz, Ökonom bei Avenir Suisse, dass die Post nur noch zwei- bis dreimal pro Woche zugestellt wird.
Hintergrund dieser Forderung ist die seit Jahren sinkende Briefmenge. Im vergangenen Jahr waren es wiederum 4,8 Prozent weniger adressierte Briefe, die aufgegeben wurden. «Auch deshalb erweitert die Post ihr ergänzendes Geschäft laufend mit neuen und innovativen Angeboten, um die Zustellung besser auszulasten», schrieb die Post im Januar. Für die Post ist der Rückgang ein finanzielles Problem. Der Betriebsertrag sinkt seit Jahren, getrieben durch den Rückgang bei den Briefen.
In Belgien zeigt sich, wie eine verminderte Zustellung aussehen könnte. Nicht dringende Post wird dort nur noch zweimal in der Woche ausgeliefert. Dringende Post wird noch immer täglich vorbeigebracht. Die belgische Post geht davon aus, dass diese Kürzung mit keinem Abbau beim Verteilpersonal einhergeht. Auch in anderen europäischen Ländern wie Dänemark wird Briefpost nicht mehr jeden Tag verteilt.
Ein Problem beim Vorschlag von Avenir Suisse ist Post, die am nächsten Tag beim Empfänger sein soll. «Ich könnte mir vorstellen, dass man solche wirklich wichtigen Briefe mit einer Sonderzustellung nach Hause bringen könnte. Dies würde dann allenfalls etwas mehr kosten», sagt Samuel Rutz von Avenir Suisse.
Oder man setzt auf technische Lösungen. Also zum Beispiel den Empfänger per SMS oder Mail darüber informieren, dass ein dringender Brief angekommen ist. Er kann dann selber entscheiden, ob er den Brief abholen möchte oder doch bis morgen warten kann.

