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Umweltschonendes Feuerwerk und explodierende Vulkane

Wegen abgesagten Bundesfeiern wird in diesem Jahr am 1. August wohl vermehrt privat Feuerwerk gezündet. Feuerwerk-Profi Janosch Bär gibt Tipps.

Archivfoto: Seraina Boner

Umweltschonendes Feuerwerk und explodierende Vulkane

Die Zeiten, in denen Janosch Bär am 1. August jeweils für sein Wohnquartier in Pfäffikon eine kleine Feuerwerksshow auf die Beine stellte, liegen schon einige Jahre zurück. Mittlerweile ist der heute 25-Jährige staatlich geprüfter Feuerwerker im In- und Outdoor Bereich und bietet mit seinem Geschäft «A Kind of Fire» professionelle Feuershows an.

Dass so viele 1.-August-Feiern abgesagt wurden, schmerzt ihn. Zusammen ein grosses Feuerwerk geniessen gehöre zur Tradition der Schweiz.«Wir alle haben Erinnerungen daran, wie wir schon als Kinder mit Bengalischen Zundhölzern herumgerannt sind», sagt Bär. «Feuerwerk verbindet die Menschen – gerade in diesem Jahr ist dies wichtig.»

«Feuerwerk ist keine exakte Wissenschaft.»

Janosch Bär rechnet damit, dass durch die vielen Absagen der offiziellen Feiern die Schweizerinnen und Schweizer umso mehr Feuerwerk kaufen, um dieses an privaten Anlässen zu zünden. Damit einher geht die Gefahr von Unfällen. «Viele unterschätzen das Risiko, was alles schief gehen kann, vor allem wenn im Laufe des Abends immer mehr Alkohol im Spiel ist.»

Explosionsgefahr bei beschädigten Vulkanen

Zwar ist auf jeder Rakete und jedem Vulkan angegeben, wie viel Sicherheitsabstand einzuhalten ist. Doch an der Umsetzung hapere es oft. «Der Abstand gilt nicht nur für die Nähe zu Menschen, sondern auch zu Häusern, Bäumen oder Autos», sagt Bär. Es gehe dabei nicht einmal primär darum, nicht von Funken getroffen zu werden: Die Rakete, die in den Himmel fliegt, kommt auch irgendwann wieder herunter.

«Und nicht unbedingt dort, wo man sie abgefeuert hat. Wer Pech hat, fährt nach der 1.-August-Feier mit einer Delle im Autodach nach Hause.» Die richtig grossen Kugelraketen, die schnell mal weit über 50 Franken pro Stück kosten, erfordern darum auch bis zu 80 Meter Sicherheitsabstand.

«Feuerwerk ist keine exakte Wissenschaft», sagt Bär. Zwar würden die einzelnen Chemikalien von Maschinen in ihre Behälter gedrückt. «Doch das meiste ist und bleibt Handarbeit.» Nicht nur bei Raketen sei Vorsicht geboten. «Wenn ein Vulkan zu Boden fällt, kann es sein, dass der darin gepresste Satz Risse bekommt, was beim Abbrand zu einer Verpuffung führt . Ich habe schon erlebt, dass ein brennender Vulkan explodierte, weil er beschädigt war.»

Um zu wissen, welche Sicherheitsabstände man bei einer privaten Feier überhaupt einhalten kann, rät Bär, sich bereits vor dem Gang zum Fachhändler mit der Umgebung vertraut zu machen, in der man dann die Einkäufe abfeuern will. Zu meinen, man könne etwa einen Vulkan noch mit Wasser löschen, wenn er denn zu hoch brennt, sei eine Illusion. «Diese werden bis zu 1000 Grad heiss und brennen auch unter Wasser weiter.»

Respekt statt Angst

Obwohl sich praktisch kein Feuerwerks löschen lässt: «Ich empfehle immer einen Eimer Wasser oder einen Gartenschlauch einsatzbereit in der Nähe zu halten», sagt Bär. «Nicht für die Rakete oder den Vulkan, sondern für den Gartenstrauch oder den Sonnenschirm, falls er Feuer fängt.»

Doch das Schlimmste, was man überhaupt machen könne, sei, sich über einen Blindgänger zu beugen. «Wenn ein Feuerwerkskörper nicht abbrennt, sollte man sich ihm mindestens eine Viertelstunde nicht nähern.» Dabei sei Angst vor Feuerwerk nicht die richtige Herangehensweise. «Aber viel Respekt ist nötig.»

Musik-Feuerwerk fürs Quartier

29.07.2015

Janosch Bär ist begeisterter Hobby-Pyrotechniker. Janosch Bär ist begeisterter Hobby-Pyrotechniker. Jedes Jahr veranstaltet er am Nationalfeiertag ein grosses Feuerwerk für seine Siedlung in Pfäffikon. Und jedes Jahr will er sich selbst wieder übertreffen.

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Mit der Kritik an Feuerwerk, die Umwelt- und Tierschützer regelmässig anbringen, wird Janosch Bär regelmässig konfrontiert. In Bezug auf Tiere wie etwa Hunde, die durch die Knallerei am Himmel in Angst und Schrecken versetzt werden, sieht er die Verantwortung bei den Haltern. «Wenn das Herrchen ruhig ist, dann sind es die Hunde oft auch.» Zudem krache es bei Gewittern ebenfalls regelmässig.

Was die Umweltbelastung und den Abfall angeht, sieht Bär die Verantwortung klar bei der Person, welche das Feuerwerk zündet. «Auch bei grossen Aufträgen sammeln wir im Anschluss an die Präsentation alle Hinterlassenschaften wieder ein.» Wenn möglich am nächsten Morgen bei Tageslicht, oder dann noch am selben Abend mithilfe eines grossen Scheinwerfers.

«Da habe ich jedes Mal wieder ein Kribbeln im Bauch.»

Für die Natur schädlich seien primär Plastikteile wie die Kappen von Raketen. «Mittlerweile hat aber auch bei den Feuerwerkherstellern ein Umdenken stattgefunden und es wird vermehrt auf Plastik verzichtet und auf Karton gesetzt.» Batterien seien bereits heute primär aus Karton hergestellt. «Wer sich um die Umwelt sorgt und trotzdem Feuerwerk geniessen will, kann bereits beim Kauf auf die Verpackung achten», so Bär.

Auftritt auf dem Hasenstrick

Bei seinen Feuerwerkshows arbeitet Janosch Bär längst nicht mehr mit Feuerzeug und Zündhölzern. «Ich verwende elektrische Anzünder, deren Start ich am Computer programmiere.» Während des Lockdowns habe er aber ab und zu einige Effekte ausprobiert und dabei wieder zum Feuerzeug gegriffen. «Dieses Kind in mir ist noch nicht gestorben, da habe ich jedes Mal wieder ein Kribbeln im Bauch», sagt Bär und grinst breit.

Bei seinen Aufträge wie etwa dem 1.-August-Feuerwerk auf dem Hasenstrick, für das er bereits das zweite Jahr in Folge gebucht wurde, unterlegt er die Lichtshow mit passender Musik. «Dabei stimme ich über 200 einzelne Zündungen auf einzelne Stellen in den Liedern ab», sagt Bär. Die Suche nach passenden Songs begleite ihn jeden Tag. «Sogar wenn ich im Auto Radio höre, überlege ich mir, welche Effekte zu welcher Stelle passen würden.»

Um im kleinen Rahmen ein eindrucksvolles Bouquet zu organisieren, empfiehlt der Pfäffiker eine Serienschaltung von Feuerwerksbatterien. Mittlerweile seien die nötigen Zündschnüre für jeden im Fachhandel erhältlich. Die musikalische Untermalung nachzuahmen sei schwierig, da man dabei keine Kontrolle über Zeitpunkt und Form der Feuerwerkskörper hat. «Aber einen Versuch ist es sicher wert.»

Zur Person:
Janosch Bär ist 25 Jahre alt und wohnt in Pfäffikon. Dieses Jahr wird er den zweiten Lehrgang zum Grossfeuerwerker abschliessen. Dann hat er alle Ausbildungen, die es in der Schweiz in Sachen Feuerwerk gibt, in der Tasche. Leben kann er von seinem kleinen Business nicht. Hauptberuflich arbeitet er im Produktionsbüro von Salto Natale und jobbt momentan coronabedingt noch in der Distribution für einen Lebensmittel-Onlineshop. Weitere Informationen zu seiner Feuerwerkskunst unter www.akindoffire.ch

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