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Politik

Keine Stellungnahme ist auch eine Stellungnahme

Dass nicht alle Menschen Asylsuchenden oder Ausländern gegenüber offen eingestellt sind, ist leider keine Überraschung. Fremdenfeindlichkeit ist auch in der Schweiz verbreitet, was spätestens seit den Rassismus-Debatten der letzten Wochen jedem klar sein müsste. Und falls nicht, ist der Brief, der kürzlich in der Fehraltorfer «Dorfpost» erschienen war, Beweis genug. In diesem ist die Rede von «Asylanten», die «nicht in die Wohnzonen» gehörten und ohnehin nur Dreck, Lärm und Gestank verursachen würden.

Zur Klarstellung: Diskussionen über Asyl- und Ausländerpolitik und kritische Töne gegenüber den Behörden müssen möglich sein. Jedoch auf sachliche, konstruktive und lösungsorientierte Weise. Rassistische und fremdenfeindliche Äusserungen helfen niemandem weiter und sind nicht zu tolerieren .

Höchst fragwürdig ist deshalb, weshalb der Brief überhaupt abgedruckt wurde – obwohl die Gemeinde offenbar davon abgeraten hatte. Und dies erst noch in einer Zeitschrift, die auch amtliches Publikationsorgan der Gemeinde ist. Die Redaktion distanziert sich zwar in einer Box und weist darauf hin, dass die «Dorfpost» ein «neutrales Medium» sei. Wer «Neutralität» aber dahingehend interpretiert, dass jeder noch so groben und problematischen Aussage eine Plattform gegeben werden soll, ist auf dem falschen Weg. 

Ebenso fragwürdig ist das Ausbleiben einer Stellungnahme beziehungsweise Distanzierung seitens der Gemeinde – gerade vor dem Hintergrund, dass sich auch Privatpersonen aus dem Dorf mit einem Inserat eingeschaltet hatten, weil sie zum öffentlichen Brief «nicht mehr schweigen können und wollen.» Die Gemeinde aber schweigt weiter.  

Fehraltorf ist ein kleiner Ort, der sonst eher beschaulich daher kommt. Gerade in diesem Umfeld können problematische Äusserungen von Einzelnen zu hitzigen Diskussionen und grosser Aufregung führen. Das zeigte auch die jüngste Vergangenheit: Der Brand in den Wohnungen von Asylsuchenden löste grössere Debatten aus. Um solche zu entschärfen und moderieren zu können, muss die Gemeinde frühzeitig eingreifen – ansonsten entsteht böses Blut und die Situation droht, aus dem Ruder zu laufen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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