Hittnauer Alterskonzept ins stille Kämmerchen verbannt
Rund ein Viertel der Hittnauer Bevölkerung ist über 60 Jahre alt. Sozialvorstand Peter Wermelinger (SVP) hat es sich mit der Ausarbeitung des Alterskonzepts «Hittnau 60plus» zur Aufgabe gemacht, diese älteren Personen ins Dorfleben einzubinden, damit sie sich auch nach ihrer Pension noch aktiv einbringen können. Im letzten Jahr wurde das Konzept fertiggestellt, die Ziele hoch gesteckt. Doch dann kam Corona. Alle Altersanlässe bis Ende Jahr wurden gestrichen.
«Wir wollten definitiv kein Risiko eingehen», sagt Wermelinger. Dass das Alterskonzept von Covid-19 ausgebremst wurde, will er aber nicht so gesagt haben. «Im Hintergrund arbeiten wir umso intensiver an der Umsetzung der Ziele.» Der erste Schritt dazu war die Festanstellung von Sarah Altwegg als Altersbeauftragte der Gemeinde Anfang Jahr.
Lernvideo wäre zu teuer
Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalte Peter Wermelinger viele. «Viele bedauern, dass die Informationsanlässe nicht stattfinden.» Diese seien nicht zuletzt auch ein Treffpunkt und eine Möglichkeit zum Austausch zwischen den Senioren gewesen. Dass der Frauenverein mittlerweile den «Mittagstisch 60plus» im Kirchgemeindehaus wieder durchführt, begrüsse er darum sehr. Im Vergleich zu den Altersanlässen, die dort jeweils von bis zu hundert Personen besucht werden, könne am Mittagstisch eine gewisse Sicherheit durch Abstand gegeben werden. «Wir hätten dafür die Dreifachturnhalle mieten müssen», sagt Wermelinger.
«Wo hätten die Senioren den Umgang mit einem Computer in den letzten Monaten überhaupt lernen können?»
Peter Wermelinger (SVP), Sozialvorstand
Die Informationen zum Thema «Sehen», das dieses Jahr an den Altersanlässen tragend gewesen wäre, auf der Website aufzuschalten, habe man zwar diskutiert. Etwa mittels eines Lernvideos, in dem ein Optiker zusammen mit einem Augenarzt zu Wort kommt. Doch diese Idee sei an den Kosten gescheitert. «Diese hätten den möglichen Rahmen gesprengt», sagt Wermelinger. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen hätte in diesem Fall nicht gestimmt.
Hotline für Senioren unnötig
Der Sozialvorstand glaubt nicht, dass die Corona-Pandemie jenen Senioren, die nach wie vor «offline» leben, einen Zugang zum Internet aufzwang. «Wo hätten sie den Umgang mit einem Computer in den letzten Monaten überhaupt lernen können?» Wer sich bis heute vom Internet ferngehalten habe, werde sich wohl nicht mehr annähern. «Aber im Laufe der nächsten zehn Jahren rechne ich damit, dass auch alle Senioren mit den Onlineangeboten vertraut sein werden.»
In Hittnau habe die gegenseitige Hilfe während des Lockdowns auch so funktioniert. «Hier kennt und hilft man sich. In einer grösseren Stadt ist die Situation wohl wieder anders», sagt Wermelinger. Seitens der Verwaltung habe man sich schon überlegt, eine eigene Hotline speziell für Senioren einzurichten. «Wir haben jedoch schnell gemerkt, dass die Vernetzung auch ohne unser Zutun funktioniert – dies hat uns erneut einen grossen Aufwand erspart, sodass wir uns auf das Alterskonzept konzentrieren konnten.»
Nun hole Sarah Altwegg die diversen Besuche in den regionalen Alters- und Pflegeheimen nach, um den Hittnauer Seniorinnen und Senioren die nötigen Informationen aus erster Hand weitergeben zu können. «Während des Lockdowns war dies natürlich nicht möglich», sagt Wermelinger. Nun sei bis Ende Jahr fast wöchentlich rund ein Besuch geplant. Momentan habe die Sammlung der Informationen über mögliche Wohnformen – von Alters- und Pflegeheimen über Alterswohnungen bis zu Alters-WGs – die höchste Priorität bei der Umsetzung des Alterskonzeptes.
