Der «Bock» ist wieder fest in Männerhänden
«Ich habe hier bloss ein Amt und keine Meinung.» Mit diesem Zitat startete Katharina Morf (FDP) vor einem Jahr in ihr Amt als Illnau-Effretiker Ratspräsidentin. «Sie können sicher sein, ich habe eine Meinung», sagte sie am Donnerstagabend bei ihrer Abschiedsrede, «und mein Puls ist bei diversen Voten im Rat stark emporgeschnellt.»
In der letzten Legislatur seien die Fronten zwischen den rechten und den linken Parteien verhärtet gewesen. Bürgerlich sei nicht zu einem Kompromiss bereit, man sollte doch aufeinander zugehen können, sei die Meinung der Linken gewesen. «Diese These kann ich teilweise durchaus unterstützen.»
In der aktuellen Legislatur mit der neuen Sitzverteilung geschehe nun genau das Gleiche. «Kompromissbereitschaft umzusetzen, scheint doch schwieriger zu sein als gedacht.» Machtspiele seien vom Bock aus gut zu beobachten gewesen.
Bereits bei 2018 der Abräumer
Bei ihrer Antrittsrede zur Ratspräsidentin bedauerte Katharina Morf noch, dass keine weitere Frau im «Bock» dabei sei. Seit sie am Donnerstagabend das Amt an den neuen Ratspräsidenten Daniel Huber (SVP) übergeben hat, ist die Frauenquote nun ganz auf Null gesunken. Flankiert wird Huber in seinem Amtsjahr von Kilian Meier (CVP) als 1. Vizepräsidenten und Maxim Morskoi (SP) als 2. Vizepräsidenten.
Seit der Einführung eines Parlamentes 1974 kommt die SVP alle vier Jahre zum Zug, was die Besetzung des Postens des höchsten Illnau-Effretikers angeht – zuletzt war dies Roger Miauton, der bei den Wahlen 2018 seinen Sitz im Grossen Gemeinderat nicht halten konnte.
Der nun mit deutlichen 30 Stimmen neu gewählte Ratspräsident Daniel Huber, der seit 2010 Mitglied des Parlamentes ist, war hingegen mit 2164 Stimmen bereits einer der deutlichen Sieger jener Erneuerungswahlen. Nur Parteikollege Thomas Schumacher konnte damals noch zwei Wähler mehr für sich gewinnen.
Regionalität im Zentrum
Er stellte sein Amtsjahr unter das Motto «Erfolgsfaktor Regionalität». In Ottikon aufgewachsen, in Effretikon wohnhaft, in Illnau angestellt und in Bietenholz selbständig lebe er diese Einstellung bereits. Auch das Vereinsleben in der Stadt liege ihm am Herzen – auch wenn dafür momentan nicht viel Zeit sei.
Er wolle auch die Bürger Illnau-Effretikons dazu anregen, vermehrt regional zu handeln. Und an die versammelten Gemeinderäte richtete eine separate Bitte: «Wahren Sie den Anstand gegenüber den Andersdenkenden.»
Die Beschlüsse des Parlaments:
– Gemeinderat Daniel Huber (SVP) wurde mit 30 Stimmen zum neuen Ratspräsidenten gewählt.
– Gemeinderat Kilian Meier (CVP) wurde mit 28 Stimmen zum 1. Vizepräsidenten gewählt.
– Gemeinderat Maxim Morskoi (SP) wurde mit 30 Stimmen zum 2. Vizepräsidenten gewählt.
– Die Gemeinderäte Peter Vollenweider (BDP), Michael Käppeli (FDP) und Urs Gut (Grüne) wurden einstimmig als Stimmenzähler gewählt.
– Die Jahresrechnung 2019 wurde einstimmig genehmigt.
– Die Interpellation von Paul Rohner (SVP) betreffend Erkenntnisse der Schule während, nach und vor der nächsten Pandemie wurde begründet.
