Die Seen sind wieder bevölkert, die Schiffe nehmen den Betrieb wieder auf, die Gäste trudeln langsam wieder ein. Normalität scheint einzukehren. Allerdings gelten nach wie vor dringende Empfehlungen, etwa zum Abstandhalten, zur Gesichtsvermummung, zum Verbleiben in der Schweiz. Dabei wird die Sehnsucht – gerade jetzt bei nahenden Sommerferien – nach einem Tapetenwechsel immer dringlicher. Meer und Palmen locken.
Wenn die Leute das wollen, bieten wir es ihnen, scheint sich die Schifffahrtgesellschaft gesagt zu haben und schmückte ihr Boot auf dem Zugersee mit einer Palme. Ob auch Kokosnüsse darauf wachsen oder Affen auf ihr klettern, entzieht sich meiner Kenntnis. Mich hat die Flexibilität fasziniert, mit der auf Träume und Sehnsüchte visualisiert werden. Und dann das herrliche Bild: eine Palme vor dem Schweizer Alpenpanorama – einmalig.
Da ist es ein grosses Glück, dass die Forderung der Jugendunruhen in den Achtzigerjahren des letzten Jahrtausends nicht erfüllt worden ist: «Freier Bick aufs Mittelmeer – sprengt die Alpen». Wäre doch schade gewesen. (Guy A. Lang)

