Im Westflügel des Landesmuseums in Zürich reiht sich historisches Zimmer an historisches Zimmer. Die getäferten Wände und Decken vermitteln den Besuchern ein Gefühl, wie es gewesen sein könnte, im 15., 16. oder 17. Jahrhundert zu leben.
Doch der Fokus liegt nicht auf den kunstvollen Schnitzereien – die Aufmerksamkeit wird auf beleuchtete Vitrinen gelenkt, die etwa Gläser oder Ringe aus vergangener Zeit enthalten. Dabei ist wohl den wenigsten Besuchern aus dem Zürcher Oberland bewusst, dass sich im Landesmuseum über ihren Köpfen ein Stück Lindauer Geschichte befindet. Tatsächlich schmückt seit 1898 die Decke der ehemaligen Kirche Lindau einen der historisch nachempfundenen Räume.
Ein gotisches Exemplar
«Dabei handelt es sich um eine sogenannte Flachschnitzerei», erklärt Kuratorin Christina Sonderegger. Typisch dafür sei der kontrastbildende schwarze Hintergrund, vor dem die bunten Motive gut zur Geltung kommen. Im Falle des gotischen Lindauer Exemplars sind vor allem Früchte, Ranken, Drachen, ein modern anmutendes Gittermuster sowie eine Jagd zu sehen. Letztere habe einen biblischen Bezug, so Sonderegger. «Jesus Christus oder das Christentum wurde oft als verfolgter Hirsch dargestellt.»
«Als die alte Kirche Lindau 1896 abgerissen wurde, um die bis heute bestehende, grössere zu bauen, wurde uns die Decke angeboten»
Christina Sonderegger, Kuratorin

