Das Ganze von vorn. Vier Bundesräte auf einer Bühne, der Ton getragen, besorgt, ernst. Wie damals, als es noch dunkel und kalt und März war. «Wir können das Ende der Einschränkungen nur geniessen, wenn wir die richtige Balance finden», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Eine Balance zwischen Vorsicht und Lockerheit, zwischen Vorschriften und Eigenverantwortung, zwischen Bund und Kantonen.
Das Coronavirus ist nicht ver schwunden. Es meldet sich im Moment sogar recht deutlich. In der Schweiz wurden in den ver gangenen 24 Stunden 137 Ansteckungen mit Covid-19 gemeldet – es ist die erste dreistellige Ansteckungszahl seit langer Zeit. Die neuen Brennpunkte: Zürich, Aar gau und St. Gallen.
«Sehr besorgniserregend»
Deutlich gestiegen ist auch die Reproduktionszahl R, also die Anzahl Personen, die ein mit dem Virus Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Sie liegt seit Mitte Juni wieder signifikant über dem kritischen Wert von 1. Bei der letzten Schätzung am 22. Juni lag sie bei 1,66. Das bedeutet, dass 100 infizierte Personen im Durch schnitt 166 Personen anstecken. Gemäss Taskforce-Mitglied und ETH-Professorin Tanja Stadler ist diese Entwicklung «sehr besorg niserregend».
Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist von dieser Besorgnis noch nicht viel zu spüren. Stefan Kuster, der Nachfolger von Daniel Koch beim BAG, antwor tete auf die Frage, wie er die epidemiologische Lage mit über 100 Fällen einschätzt, so: «Wir be obachten diese Zahlen mit Argusaugen und stellen diesen Anstieg fest.» Die Zahlen müssten immer in Relation mit der Anzahl Tests angesehen werden.

