Stunk um Hinwiler Kindergarten
David Schweizer aus Hinwil hat die Nase gestrichen voll. Abend für Abend beobachtet er im Kindergarten Fröschlezzen, neben dem er seit 20 Jahren wohnt, die gleichen Szenen: Saufgelage, Shisha-Rauchen, lautes Diskutieren und Sex im Spielschöpfli. Ist die «Party» vorbei, sieht es auf dem Kindergartengelände oft übel aus: Dosen und Flaschen, diverser Abfall, Zigarettenkippen und sogar gebrauchte Kondome liegen herum.
Angefangen habe es vor sieben Jahren, nachdem die Gemeinde auf dem Areal des Kindergartens Bänke und Tische montiert habe. «Wenn ich vom Lärm geweckt werde, rufe ich sofort die Polizei», sagt der 51-Jährige Elektroingenieur. «Mittlerweile muss ich die Adresse des Kindergartens nennen und die Beamten wissen, worum es geht.»
«Man nimmt uns einfach nicht ernst.»
David Schweizer, Anwohner Kindergarten Fröschlezzen
Schon mehrmals wurden er und andere Nachbarn bei der Gemeinde Hinwil vorstellig. «Züriost» berichtete vergangenen September über die Zustände auf dem Kindergartengelände – ein Kind fand damals ein gebrauchtes Kondom. Schulpflegepräsidentin Monika Gnepf (FDP) sagte damals auf Anfrage, dass Littering beim Fröschlezzen kein Dauerthema sei.
Videoüberwachung eingerichtet
Auch heute schreibt die Schulpflege in einer schriftlichen Stellungnahme: « Wir stellen zurzeit keine aussergewöhnliche Situation fest. » Schweizer widerspricht: «Das ist seit sieben Jahren ein Thema», sagt er. «Aber diese Antwort ist typisch. Man nimmt uns einfach nicht ernst.»
Die Gemeinde hat inzwischen eine Videoüberwachung eingerichtet. « Ein Vorfall konnte aufgeklärt werden », heisst es kurz und knapp in einem Mail, das die Schulpflege der Redaktion schickte.
Wie das Problem gelöst werden könnte, dafür hat Schweizer verschiedene Vorschläge. «Man könnte konsequent mal eine Weile lang jeden Abend um 22 Uhr eine Ausweiskontrolle machen, die Jugendlichen wegen Littering anzeigen und dann wegweisen», sagt er. «Dann würde es den Jungen schon verleiden.» Denn Littering sei strafbar und ab 22 Uhr gelte Nachtruhe.
Um weiter Druck zu machen, hat Schweizer im November eine Strafanzeige wegen Verstoss gegen das Hundegesetz gegen die Gemeinde eingereicht. Denn auf der Tafel beim Fröschlezzen habe es ein «Hunde an die Leine»-Zeichen, dabei seien gemäss Hundegesetz des Kantons Zürich auf Schulhausanlagen gar keine Hunde erlaubt.
«Ich will, dass die Gemeinde wegen der Zustände im Fröschlezzen endlich Verantwortung übernimmt.»
David Schweizer, Anwohner Kindergarten Fröschlezzen
Schweizer hat mit der Kamera diverse Hunde auf dem Gelände dokumentiert – und ihre Hinterlassenschaften. Er zeigt ein Bild vom 3. Juni. Darauf ist direkt neben der Schaukel ein Haufen Hundekot zu sehen. «So wurden die Kindergärtner am Mittwochmorgen willkommen geheissen», sagt Schweizer. «Am Mittag lagen die Exkremente noch am gleichen Ort. Einfach nur widerlich.»
Zehn Tage Zeit für Stellungnahme
Auf seine Strafanzeige wurde jedoch nicht eingegangen – er habe das falsche Rechtsmittel gewählt. Das «Hunde an die Leine»-Zeichen sei jedoch daraufhin überklebt worden, sagt Schweizer. Mittlerweile sei es wieder sichtbar.
Anfangs Juni reichte er deshalb Aufsichtsbeschwerde gegen die Gemeinde Hinwil ein. «Es geht mir nicht in erster Linie um die Hunde», sagt Schweizer. «Ich will einfach, dass die Gemeinde wegen der Zustände im Fröschlezzen endlich Verantwortung übernimmt. Vielleicht hilft die Beschwerde ja.»
Die Schulverwaltung hat nun zehn Tage Zeit, eine Stellungnahme zu verfassen. Da es ein laufendes Verfahren ist, gibt man dazu keine Auskunft.
David Schweizer stossen noch andere Ungereimtheiten sauer auf. Obwohl Rauchen auf dem Gelände verboten sei, habe der Abfalleimer auf dem Gelände einen eingebauten Aschenbecher. «Damit relativiert die Gemeinde ihre massive Rauchverbotsdirektive», sagt Schweizer. «Auf einem Nichtraucherareal braucht es keinen Aschenbecher.»
Wie schon im Herbst 2019 kommuniziert, ist die Einführung von sogenannt « aufsuchender Jugendarbeit » in Hinwil immer noch ein Thema. Der Prozess sei im Gange, durch die Situation mit dem Coronavirus jedoch stark verzögert worden, teilt die Schulpflege mit. Man rechne Ende 2020 mit konkreten Ergebnissen.
