Und wieder einmal peitschen Empörungswellen durch die Schweiz: Es geht um Mohrenköpfe und neuerdings um Kolonialismus.
Beginnen wir mit den Mohrenköpfen. Eigentlich ist ja alles gesagt, auch ich hab schon mal darüber geschrieben. Deshalb mache ich es kurz. Im Volksmund heisst die Süssigkeit weiterhin so. Die Versuche, das Wort mit dem Moralfinger auszumerzen, fruchten nicht, und ich muss dabei an die Pädagogen denken, die den Kindern das Fluchen verbieten wollen. Geht nicht.
Und warum verursacht das Ganze so viel Aufregung? Vielleicht einfach darum, weil hier jede und jeder eine Meinung hat und mitreden kann. Beim Spazieren in der Zürcher Altstadt habe ich diese Tage eine interessante Feststellung gemacht: Das Café Mohrenkopf an der Niederdorfstrasse gibt’s nicht mehr. Es heisst jetzt Frisk Fisk und verkauft allerlei Fischspezialiäten. Das Haus selber heisst «Zum Mohrentanz», das Schild dürfte einiges älter sein als das mittlerweile verschwundene Kaffee und wurde offenbar gerade eben renoviert.
«Dann müssten wir auch den Guyer-Zeller Weg im Tösstal umtaufen.»
Nur einige hundert Meter von diesem Ort entfernt am Zürcher Bahnhofplatz steht ein Denkmal für den Zürcher Bahnpionier Alfred Escher (1819-1888). Das ist offenbar auch nicht gut. Eschers Familie, so weiss man seit einigen Jahren, besass eine Zuckerplantage in Kuba, auf der nicht weniger als 80 Sklaven zur Arbeit gezwungen wurden. Das ist nun wirklich nicht schön.

