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Politik

«Wer die Bewegung mitgemacht hat, verklärt sie automatisch»

Der in Wald wohnhafte Autor Nicolas Lindt war Teil der Bewegung, die Zürich 1980 in den Ausnahmezustand versetzte. Sein Buch «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom», das die Bewegung dokumentierte, wurde heuer neu aufgelegt.

«Schockierend» sei der Opernhauskrawall am 30. Mai 1980 gewesen. So erzählt es Andreas Honegger, der damals als NZZ-Journalist über die Unruhen schrieb. Er habe die Militanz der Bewegung damals nicht verstanden und er verstehe sie heute immer noch nicht. Neben ihm sassen auf der Bühne des Zürcher Lokals Karl der Grosse der Psychologe Allan Guggenbühl sowie mit dem Gastro-Unternehmer Koni Frei und dem Autoren Nicolas Lindt zwei, die aktiv in der Bewegung mitgemacht hatten.

Auslöser der Unruhen war ein 60-Millionen-Kredit für das Opernhaus. Für die Jungen, für eine alternative Kultur wollte Zürich hingegen gar nichts ausgeben. Ein Jahr lang versetzte die Bewegung die Stadt mit stetig wiederkehrenden Ausschreitungen in einen Ausnahmezustand. Die jungen Menschen forderten Freiräume und ein Autonomes Jugendzentrum (AJZ).  

«Es war verboten, am See auf eine Wiese zu liegen. Heute kann man sich das nicht vorstellen.»

Koni Frei, ehemaliger «Bewegter» und heutiger Gastro-Unternehmer

Anlass für die Podiumsdiskussion am vergangenen Dienstagabend war die Vernissage der Neuauflage von Lindts Buch «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom», das erstmals 1981 erschien. Die rund 90-minütige Diskussion zeigte exemplarisch, wie sehr diese Tage vor 40 Jahren, bei denen, die sie erlebt haben, noch präsent sind. Die Gewaltbereitschaft wurde breit diskutiert. Aber auch, was die Bewegung für die heutige Kulturszene für eine Bedeutung und wie sehr sie zur Liberalisierung Zürichs beigetragen hat.

«Man darf nicht vergessen: Damals gab es in Zürich kein einziges Café, das einen Tisch auf der Strasse  aufstellen durfte», sagte Koni Frei. «Es war verboten, am See auf eine Wiese zu liegen. Heute kann man sich das nicht vorstellen.» Dass sich insbesondere Frei und Honegger aneinander rieben und in der Gewaltfrage verschiedene Ansichten aufeinanderprallten, sorgte dafür, dass keine Langeweile aufkam. Im Interview am Tag nach der Diskussion äussert sich Nicolas Lindt über die Neuauflage seines Buches, den Vorwurf, dass die Bewegung verklärt wird und wie es damals war, Teil davon zu sein.

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