So hätten sich die Synodalen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz ihre erste Versammlung nicht gewünscht. Die Sitzung im Berner Kursaal war fast ganz der schlagzeilenträchtigen Demission zweier Exekutivmitglieder gewidmet, und zwar in deren Abwesenheit: Der zurückgetretene Präsident Gottfried Locher wollte nicht reden, Ratskollegin Sabine Brändlin durfte nicht reden. Beide waren über eine Beschwerde gestolpert, eingereicht von einer früheren Angestellten des Präsidenten. Als zuständiges Ratsmitglied hatte sich Brändlin um die in der Beschwerde Locher vorgeworfenen Grenzverletzungen kümmern müssen.
Doch Ratsmitglied Ulrich Knoepfel warf ein neues Licht auf die Turbulenzen in der Exekutive. Bei der Beschäftigung mit besagter Beschwerde sei eine weitere Beziehung des Präsidenten bekannt geworden: die intime Liaison mit Brändlin, die seit 2016 seine Kollegin im Rat war. Entsprechende Gerüchte habe Locher dementiert und als Diffamierung abgetan. Brändlin wiederum habe sich 2018 für die Wiederwahl Lochers als Präsident eingesetzt.
Hätten die Abgeordneten damals von der Beziehung gewusst, so Knoepfel, sie hätten Locher und Brändlin gewiss nicht wiedergewählt. Knoepfel wirft ihnen Vermischung von Beruflichem und Privatem vor. Unterschwellig hätten sie die Ratsarbeit mit sachfremden Interessen beeinflusst und so Abgeordnete wie Ratskollegen hintergangen. Brändlin hätte Knoepfel zufolge dem Rat viel früher mitteilen müssen, dass sie bei der Behandlung der Beschwerde befangen sei.
Locher sieht sich als Opfer eines Komplotts
Lange debattierte die Synode, ob ein Bericht der GPK zum Umgang des Rates mit den Rücktritten und der Beschwerde wegen Persönlichkeitsschutz nur intern und unter Ausschluss der Medien debattiert werden sollte. Es obsiegten schliesslich die Verfechter der Transparenz. Zugleich soll jetzt die Zürcher Rechtsanwältin Christine Baumgartner im Auftrag der Kirche als unabhängige Instanz die Behandlung der Beschwerde untersuchen.

