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Noch mehr Wald für die Stadt Illnau-Effretikon

Schon die Rechnungsprüfungskommission war sich uneins, nun kam alles ganz anders: Die Pläne des Stadtrates, weitere Waldparzellen auf Stadtgebiet zu kaufen, haben im Grossen Gemeinderat eine emotionale Debatte ausgelöst.

Die Befürchtungen im Rat, der Illnau-Effretiker Wald könnte an Qualität verlieren, sind gross.

Archivfoto: Christian Merz

Noch mehr Wald für die Stadt Illnau-Effretikon

98 Tage liegen zwischen der letzten Sitzung des Grossen Gemeinderates Illnau-Effretikons und der jüngsten Zusammenkunft am Donnerstagabend. In dieser Zeit haben sich so viele Traktanden angesammelt, dass sich die Sitzung über fünfeinhalb Stunden hinzog. Regelmässige Überraschungen sorgten jedoch für Abwechslung. 

Nach dem Abstimmungskrimi um den Illnauer Dorfplatz stand der Antrag des Stadtrates betreffend Kreditbewilligung für den Erwerb von sechs Waldparzellen an. Diese will der Stadtrat für 390‘000 Franken von der Holzkorporation Rikon kaufen. Bereits im Vorfeld zeigte sich die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gespalten: Eine Mehrheit befürwortete den Kauf der Waldparzellen, da die finanzielle und sachliche Angemessenheit gegeben sei. Eine Minderheit  wollte das Geschäft an den Stadtrat zurückweisen, damit der Preis neu verhandelt wird.

Begehrte Waldparzellen in Illnau-Effretikon

09.06.2020

Stadtrat ist nicht der einzige Interessent

Ginge es nach dem Stadtrat, würden sechs weitere Waldparzellen Illnau-Effretikons bald im Besitz Beitrag in Merkliste speichern Derweil interessiert sich nicht nur der Stadtrat für die Waldparzellen. Auch die ZürichHolz AG will die Parzellen der Holzkorporation Rikon kaufen – und zwar nicht nur 6 davon, sondern alle 17. Wie RPK-Präsident Thomas Hildebrand (FDP) als Vertreter der Minderheit ausführte, müsse die Bewirtschaftung des Waldes immer mit dem Förster abgesprochen werden, egal wer der Eigentümer sei. «Auch wenn die ZürichHolz AG den Wald für ihren geplanten Wärmeverbund schlagen will, braucht es dafür einen Rodungsantrag.»

«Man muss  keine Angst vor einem privaten Renditehai haben, der Waldrodungen brasilianischen Ausmasses plant. »

Simon Binder (SVP)

Ralf Antweiler (GLP) führte die Argumente der RPK-Mehrheit aus, die einem Kauf zustimmt. «Ein Waldkauf ist eine langfristige Investition, eine solche Chance kommt nicht oft.» Und auch wenn Preisverhandlungen aufgenommen würden, ein tieferer Preis könne nicht garantiert werden. «Vor allem, da mittlerweile auch ein weiterer Interessent aufgetaucht ist.»

RPK-Minderheit passt Empfehlung an

Simon Binder (SVP) warf darauf der RPK-Mehrheit vor, kein Vertrauen in die Marktwirtschaft zu haben. «Bisher war der Wald schliesslich auch in privaten Händen.» Man müsse auch bei der ZürichHolz AG wohl keine Angst vor einem privaten Renditehai haben, der Waldrodungen brasilianischen Ausmasses für Palmölplantagen plant.

Im Vorfeld der Sitzung habe sich die RPK-Minderheit dafür entschieden, den Rückweisungsantrag zurückzuziehen und ganz auf Ablehnung des Geschäftes zu plädieren, wie Thomas Hildebrand ausführte. «Auf dem Latrinenweg haben wir gehört, dass es heute Abend noch einen Antrag geben wird, der auf den Kauf von zusätzlichen Waldparzellen abzielt.»

«Solange ich hier im Rat sitze werde ich jedem Waldkauf zustimmen.»

Brigitte Röösli (SP)

Dass diese Gerüchte stimmen, führte Beat Bornhauser (GLP) in der Folge aus. Zusammen mit Brigitte Röösli (SP) beantragte er die Erhöhung des Kredites von 390‘000 auf 600‘000 Franken, um weitere Waldflächen zu kaufen. Der Schutz des Waldes sei von öffentlichem Interesse, sagte Bornhauser. Illnau-Effretikon stehe im Gemeinderanking in Sachen Biodiversität auf Platz 155 von 171. Mit mehr Wald im Eigenbesitz könne die Stadt hier einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung leisten.

«Dies ist ein Beitrag an die Artenvielfalt, an das Klima und eine Anlage für die Zukunft», doppelte Röösli nach. «Solange ich hier im Rat sitze werde ich jedem Waldkauf zustimmen.»

Tiefbauvorstand Erik Schmausser (GLP) beleuchtete das Geschäft schliesslich auch noch aus der Sicht des Stadtrates. Es mache Sinn, dass die Stadt siedlungsnahe Waldparzellen kaufe. «Falls der Grosse Gemeinderat noch weitere Parzellen kaufen will, ist das seine Sache.» Der Rat wollte und genehmigte den Kredit in der Höhe von 600‘000 Franken mit 19 zu 15 Stimmen.

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