Als der Wilemer Sekundarlehrer Dr. Schnauder in den 1940er Jahren zu Alfred Waldvogel sagte, sein Sohn Armin sei ein «gschide Kärli» und solle studieren, antwortete der Vater, er habe Buben zum «schaffe, nöd zum studiere».
Diese Anekdote von Willi Waldvogel, dem jüngeren Bruder von Armin, zeigt, dass die Bauern immer ein besonderes Verhältnis zur Bildung hatten. Zuerst achteten sie auf den praktischen Nutzen der Bildung, «studiere» war ihnen verdächtig, weil damit das Gras noch nicht gemäht war. Die ganzen Entwicklungen der neuen Schule seit den 1830er Jahren im Kanton Zürich mit allgemeinbildenden Fächern versuchten sie zu bremsen.
Praktische Fähigkeiten waren gefragt
Dass ihnen in der Landwirtschaftskrise um 1880 das nötige Wissen fehlte, um ihre Betriebe zu erneuern, merkten sie schon. Wie sich in den Diskussionen über die Schulbildung schon 1891 im Bauernbund zeigte, war das nicht das, was sie meinten zu brauchen. Sondern praktische Fähigkeiten, welche auf die Natur Rücksicht nahmen, vermittelt von Sachverständigen.
Diese erhielten sie auf ganz andere Art: Durch «Wanderlehrer», kantonal bekannte und tätige oder auch einheimische Fachleute. Auf konkrete Themen bezogen – von Bienenzucht bis Obstbaumpflege –, kamen diese in die Dörfer und boten zu moderaten Preisen Weiterbildungen an. Dies geschah in Form von Vorträgen, Diskussionen, Filmvorführungen, praktischen Instruktionen oder Flurbegehungen.

