Mr. Snyder, Anfang Juni ist es zum ersten Mal passiert, dass Twitter einen Tweet von Donald Trump versteckt hat. Die Nachricht «Wenn geplündert wird, wird geschossen», die er an Demonstranten richtete, sei «gewaltverherrlichend». Kommt die Liebesbeziehung zwischen Trump und sozialen Medien in die Krise?
Eine Figur wie Donald Trump ist ja nur denkbar in der digitalen Welt. Dort kann er seine Fähigkeiten gezielt einsetzen, nämlich zu spalten und anzustacheln. Dort fühlt er sich wohl, weil es eine Welt ist, in der es keine Werte gibt, so wie die Wahrheit, ein Wert, den er nicht teilt.
Eine Welt, in der er seinen Fiktionen freien Lauf lassen kann. Jetzt hat Twitter immerhin angefangen, seine Tweets auf Verstösse zu prüfen.
Wird das etwas ändern?
Facebook tut ja das Gegenteil. Für Mark Zuckerberg ist es in Ordnung, wenn der Präsident der USA zu Gewalt aufruft. Wenn Twitter nun gewisse Werte zu akzeptieren scheint, leugnet Facebook, dass es überhaupt Werte gibt. Für Zuckerberg gilt der Sozialdarwinismus, für ihn ist der Präsident mächtig, deshalb kann dieser sagen, was er will, während andere, die weniger Macht haben, nichts zu sagen haben.

