Begehrte Waldparzellen in Illnau-Effretikon
Eigentlich wäre die Geschichte einfach: Die Holzkorporation Rikon löst sich aufgrund ihrer Überalterung auf und will ihre Parzellen für insgesamt 700‘000 Franken verkaufen. Der Stadtrat interessiert sich für den Kauf von 6 dieser 17 Parzellen und unterbreitet dem Grossen Gemeinderat den dafür nötigen Kredit von 390‘000 Franken.
Doch noch während sich die Rechnungsprüfungskommission im letzten Herbst ihre Gedanken zum Geschäft macht, betritt ein weiterer Player das Feld: Die ZürichHolz AG unterbreitet der Holzkorporation ein Kaufangebot für sämtliche Parzellen. Ihr Ziel ist es, unter Beteiligung der Stadt einen Wärmeverbund im Raum Eselriet zu errichten.
Stadtrat will Waldgebiete kaufen
09.09.2019

Illnau-Effretikon
Sechs Waldparzellen der Holzkorporation Rikon stehen auf der Einkaufsliste der Gemeinde. Beitrag in Merkliste speichern Der Stadtrat erachtet die Idee im Grundsatz als «nicht abwegig» wie dem Beschluss zu entnehmen ist. Doch auch wenn man sich für ein solches Projekt unter Beteiligung der Stadt entscheide, sei der zeitliche Ablauf, wie ihn sich die ZürichHolz AG vorstellt, nicht umsetzbar. In Absprache mit den Vertretern der Holzkorporation wird vereinbart, den Entscheid des Grossen Gemeinderates abzuwarten.
Derweil hat die RPK, unwissend über die weitere Kaufinteressentin, entschieden, dem Grossen Gemeinderat zu beantragen, das Geschäft an den Stadtrat zurückzuweisen. Der Preis soll neu verhandelt und die Folgekosten genau aufgezeigt werden. Die Mehrheit der Rechnungsprüfungskommission erachtet den Preis für die Waldparzellen zu hoch. «Obwohl er rund 10 Prozent tiefer als der Schätzwert liegt», heisst es seitens des Stadtrates.
Verhandlungen um Preis «aussichtslos»
Tatsächlich hat die RPK eine eigene Rechnung aufgestellt, basierend auf kantonale Schätzungen für diese Parzellen. Sie errechnen eine Einsparung von nicht etwa 10 Prozent, sondern zwischen 8,44 und 6,41 Prozent. Und hier kommt nun die ZürichHolz AG wieder ins Spiel. Nach einer erneuten Beurteilung, begründet auf der neuen Sachlage, kommt eine Mehrheit der RPK auch zu einem neuen Schluss. «Als im Januar bekannt wurde, dass weitere Interessenten auftreten, wurde klar, dass der Preis angemessen ist und Verhandlungen bezüglich des Preises aussichtslos sind», heisst es im Protokoll.
Die Parzellen, welche die Stadt gerne kaufen würden, liegen in der Nähe des Siedlungsgebietes. Darunter sind etwa die Grundstücke, auf denen sich der Vita-Parcours, die Finnenbahn oder die Pfadihütte befinden. Diese werden bereits heute durch den gemeindeeigenen Forstbetrieb gepflegt. Es ist seit geraumer Zeit die Strategie des Stadtrates, siedlungsnahe Waldstücke, die für Erholung, Schutzfunktion und den Gemeindenutzen einen hohen Wert aufweisen, zu erwerben.
RPK ist sich uneins
Die Mehrheit der RPK ist der Meinung, dass die ZürichHolz AG wiederum den Fokus auf die wirtschaftliche Holzgewinnung legen wird. «Es ist zu erwarten, dass der Wald nicht mehr im selben Zustand sein wird, wie man ihn heute kennt und schätzt.» Mit der Stadt als Eigentümerin wäre auch das Fortbestehen der öffentlichen Anlagen automatisch gesichert.
Die Minderheit der RPK hält es jedoch nicht für Aufgabe der Stadt, Wald zu kaufen. Dies würde «ein Signal vermitteln, die Stadt kaufe alles, wenn sich dies nicht mehr rentabel bewirtschaften lässt». Sie befürchtet, dass dies ein Anreiz für andere Holzkorporationen schaffen könnte. Zudem sei der Kaufpreis nach wie vor zu hoch, dafür sei der geplante Wärmeverbund vertieft zu prüfen.
In einem Punkt ist sich jedoch die gesamte RPK einig: Bei diesem Geschäft lief der Austausch mit dem Stadtrat «nicht optimal» und es sei viel Zeit verstrichen. Zu viel. Die Information, dass ein weiterer Kaufinteressent existiert, sei vorerst durch den Stadtrat als «nicht öffentlich» taxiert und erst auf Nachfrage der RPK auf «öffentlich» umklassifiziert worden. Dies habe zu Verzögerungen geführt und sie zu einer erneuten Beurteilung gezwungen. «Bei künftigen Geschäften hofft die Rechnungsprüfungskommission, dass ihr neue sachrelevante Angaben zeitnah mitgeteilt werden.»
Der Grosse Gemeinderat Illnau-Effretikon behandelt die Kreditbewilligung an der Sitzung vom Donnerstag, 11. Juni.
