Heute geht die Schweiz in die nächste Phase der Lockerungen. Die Normalität: fast wieder hergestellt. Es werden Orte zugänglich, die lange geschlossen waren. Doch was bedeutet das für das eigene Ansteckungsrisiko? Auf was sollte man achten?
Die Anzeichen verdichten sich, dass sich das Coronavirus nicht nur durch Niesen, Husten und feuchtes Sprechen verbreiten kann, sondern auch in Form eines Aerosols. Dabei handelt es sich um besonders feinen virushaltigen Nebel, der schon beim normalen Atmen und Sprechen (und erst recht beim Singen) entsteht und lange in der Luft stehen bleibt. Der Berliner Virologe Christian Drosten schätzt im NDR-Podcast, dass fast die Hälfte der Virusübertragungen auf Aerosole zurückzuführen sind, die andere Hälfte durch grössere Tröpfchen und nur rund zehn Prozent durch Schmieroder Kontaktinfektionen.
US-Forscher vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) stützen diese These. Sie haben untersucht, wie viele Aerosole durch normales Sprechen ausgestossen werden. Dafür mussten die Personen 25 Sekunden lang laut den Satz «Stay healthy!» («Bleib gesund!») wiederholen.
Je lauter, desto gefährlicher
Das Ergebnis: Eine Person stiess in jeder Minute mehr als tausend virusbelastete Tröpfchen aus. Diese schweben in einem geschlossenen Raum 8 bis 14 Minuten lang in der Luft. Demnach ist laut den US-Forschern ein Beleg erbracht, dass nicht nur Husten und Niesen, sondern auch Sprechen eine ansteckende Aerosolwolke produzieren kann – je lauter gesprochen wird, desto mehr Tröpfchen werden ausgestossen. Dieser Befund könnte erklären, wie Menschen mit leichten oder keinen Symptomen andere Personen in engen Räumen wie Büros, Musikclubs, Pflegeheimen und Kreuzfahrtschiffen in so grosser Zahl infizieren konnten. Im Fazit der Studie heisst es, «dass es eine erhebliche Wahrscheinlichkeit gibt, dass normales Sprechen in beschränkten Umgebungen eine Übertragung von Viren in der Luft verursacht».

