Seit gestern dürfen wir wieder ins Ausland reisen. Wir können die Berliner Spezialitäten wieder vor Ort geniessen. Nicht wie im März, als wir eine Reise zu einem Kongress in die lebendige Stadt geplant hatten. Der Anlass wurde abgesagt, wir mussten zu Hause bleiben. Um trotzdem das «Berliner-Feeling» zu geniessen, stellten wir einen Plan mit ausschliesslich Berliner Gerichten zusammen. Wenn wir schon nicht dorthin konnten, sollte die Stadt zu uns kommen.
Wir kochten Linseneintopf, kneteten Buletten, stampften Kartoffeln, suchten nach Königsberger-Klops-Rezepten und fühlten uns – genussvoll eine Berliner Weisse schlürfend – wie in einer Berliner Kneipe. Das einzige was uns fehlte, waren die spitzen Bemerkungen der Berliner Schnauzen.
Jetzt ist unsere Berliner Woche nur noch Erinnerung. Wir Menschen haben die Gabe, jeden Tiefpunkt im Leben, jedes schlimme Ereignis und jede Aufregung nach kurzer Zeit als gar nicht so schlimm zu klassieren und uns nur ans Gute zu erinnern. Und so werden wir auch die Geschehnisse der noch nicht ganz überstandenen Krise wohl als Anekdote speichern. (Guy A. Lang)

