Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, der bildet Antikörper. Diese kann man mit einem Bluttest nachweisen. Das war bisher der Stand des Wissens. Doch neue Forschungen stellen diese Gewissheiten jetzt infrage: Immunologen der Universität Zürich haben herausgefunden, dass vor allem Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf in der Folge nachweisbare Antikörper im Blut haben, milde Fälle hingegen kaum.
Doch mehr als 80 Prozent der Covid-19-Fälle verlaufen mild. Was bedeutet diese neue Erkenntnis für breit angelegte Antikörpertests in der Bevölkerung?
Für die Studie, die jetzt als Preprint publiziert ist, hat das Team um Onur Boyman, Professor an der Klinik für Immunologie des Universitätsspitals Zürich, zwei verschiedene Gruppen untersucht. Die erste Gruppe bestand aus Patienten mit mildem oder schwerem Krankheitsverlauf, die Teilnehmer der zweiten Gruppe gehörten zum Gesundheitspersonal und waren mit dem Coronavirus in Berührung gekommen. Bei beiden Gruppen suchten die Forscher nach Antikörpern, und zwar nicht nur im Blut, wie dies die gängigen Antikörpertests tun, sondern auch in Augen, Nase und Mund.
Je jünger, desto mehr Antikörper
«Das ist eine faszinierende Studie», sagt Francois Spertini, Professor für Immunologie am Universitätsspital Lausanne CHUV. «Sie hilft uns dabei, zu erklären, warum so wenig Menschen Antikörper im Blut haben und warum diese Werte vermutlich irreführend sind.» «Das ist eine interessante Studie», sagt auch Daniel Pinschewer, der an der Universität Basel die Abteilung für Experimentelle Virologie am Departement Biomedizin leitet. «Ich finde es plausibel, dass wir mit den heutigen Blut-Antikörpertests nicht alle überstandenen Infektionen erfassen können.»

