«Das ist eine gute Frage.» So begann Daniel Koch in den vergangenen drei Monaten vieler seiner oft genuschelten und nicht immer ganz klaren Antworten. Und die Journalisten wussten genau: Was nach einem Lob des Corona-Delegierten klingen mochte, war in Wahrheit als Gegenteil davon zu verstehen.
Weil Koch schon wieder nach Zahlen gefragt wurde, die er nicht hatte. Weil er schon wieder erklären musste, warum er Hygienemasken nicht für ein Allheilmittel gegen das Coronavirus hielt. Weil schon wieder jemand einen Widerspruch gefunden hatte in einem der Hunderten von Dokumenten, welche seine Leute im Bundesamt für Gesundheit unter hohem zeitlichem und politischem Druck erarbeitet hatten.
Heute Nachmittag hat Daniel Koch seinen letzten Medienauftritt. Ende Mai geht er in Pension. Seine ganze Karriere lang war der Mediziner in der Öffentlichkeit unbekannt. Dann kam Corona, und der Spezialist für Epidemien wie Ebola war plötzlich dauerpräsent: Mehr als zwei Dutzend Corona-Pressekonferenzen hat er seit Februar bestritten, als sich abzuzeichnen begann, dass das Virus auch die Schweiz überrollen würde.
Nie zweimal dieselbe Krawatte
In diesen drei Monaten ist der ausgebildete Mediziner für die einen zum Gesicht einer Behörde geworden, welche schlecht auf die Epidemie vorbereitet war, zu zögerlich reagierte und oft verwirrlich kommunizierte: über den Nutzen von Hygienemasken, über die Ladenöffnungen, über die Ansteckungsgefahr von Kindern, gerade diese Woche über die Möglichkeit von grossen Fussballanlässen.

