Maskentragen wird aus seuchentechnischen Gründen wohl nicht so schnell aus dem Alltag verschwinden. Nicht nur bei uns, auch in Indien. Auf dem Bild führen zwei Priester einen Kathakali-Tänzer zu seinem Auftritt in den Tempel, er mit Vollmaske, sie mit auch bei uns bekannten Virenschutzmasken. Kathakali ist eine alte Tanztradition, welche Geschichten aus alten Hindu-Epen erzählt. Für den Tänzer ist Maskierung «normale Berufsuniform», für seine Begleiter jedoch genauso ungewohnt wie für uns.
Maskieren ist gewöhnungsbedürftig, genauso wie der Umgang mit Maskierten. Man kann sich zulächeln – es wird nicht bemerkt. Man kann das Gesicht verziehen, kein Mensch ahnt es. Und ein Flirt, beispielsweise im ÖV, macht keinen Sinn. Einfach die Augen heftig auf und zuklappen wirkt lächerlich, andere Mienenspielvarianten sind hinter dem Stoff versteckt.
Der Gesichtsausdruck gehört ja wesentlich zu unserer Kommunikation. Masken sind nicht nur da äusserst einschränkend. Da hat es der Kathakali-Tänzer einfacher, er kommuniziert mit seinem ganzen Körper, die Gesichtsbemalung ist nur ein Teil. Bei uns allerdings sähe eine solche Maske sehr seltsam aus. (Guy A. Lang)

