Ungewöhnlich lange erhält Manuel Schmid, der in Wirklichkeit anders heisst, im April keine Antwort auf seine Whatsapp-Nachricht. Er hat seine 13- und 16-jährigen Töchter gefragt, ob er sie wieder einmal sehen könnte – das letzte Treffen liegt drei Monate zurück. Nach zwei Tagen kommt die Antwort: «Lieber nicht, it’s Corona-Time».
Manuel Schmid hat sich 2012 von seiner Frau getrennt und ist aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Seit 2015 sind die beiden geschieden. Die beiden Mädchen blieben in der Obhut der Mutter, den Vater sollten sie jedes zweite oder dritte Wochenende besuchen.
Noch nie zusammen in den Ferien
«Geklappt hat das nie», sagt Schmid. Es seien immer wieder Ausreden aufgetaucht, warum die Kinder die abgemachten Termine nicht wahrnehmen könnten: Hausaufgaben, Hobbys, Ferien pläne. Schmid sieht seine Töchter alle drei bis vier Monate ein paar Stunden, aber sehr unregelmäs sig und während langer Abschnit te gar nicht. Wann er das letzte Mal Weihnachten mit ihnen verbracht hat, weiss er nicht mehr. Gemeinsame Ferien lagen nie drin.
«Immer waren vonseiten der Mutter Misstrauen und Druck da», sagt Schmid. Etwa als er bald nach der Trennung die Kinder in ein Shoppingcenter mitnahm. Er musste ein Paar Schuhe abholen. Da die Kinder keine Lust hatten, mitzukommen, warteten sie ein paar Minuten in der Nähe des La dens. Kaum waren sie wieder bei der Mutter, erreichte Schmid eine wütende E-Mail: Was ihm einfalle, die armen Kinder allein zu lassen: «Sie liefen zu Hause in ein Verhör der Mutter, die alles über ihren Aufenthalt bei mir wissen wollte», sagt Schmid.

