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Politik

Vor der Krise hüteten sie Kinder, jetzt warten sie auf einen Anruf

Viele Sans-Papiers arbeiteten vor dem Lockdown als Haushaltshilfe, Nanny oder Gärtner bei Schweizer Familien. Nun werden sie nicht mehr gebraucht.

Die Bilder aus Genf haben Menschen rund um den Globus aufgeschreckt. Zeitungen wie «The Guardian», «Le Monde» und die «New York Times» berichteten, wie in Genf an Samstagen Hunderte Mittellose für einen Sack Lebensmittel anstehen. Menschen, die in der Corona-Krise ihre Jobs verloren und kein Geld mehr haben, um Nahrungsmittel zu kaufen. In Zürich oder Bern liessen sich wohl ähnliche Fotos machen. «Wir werden ebenfalls von Bedürftigen überrannt, die sich weder Essen noch Wohnungsmieten leisten können», sagt Bea Schwager von der Zürcher Anlaufstelle für Sans-Papiers.

Doch die Hilfsleistungen geschehen diskret im Hintergrund. Im Vergleich zu Genf ängstigten sich Betroffene in der Deutschschweiz, beim Schlangestehen von der Polizei kontrolliert zu werden. Auch in Bern könnten viele Papierlose nicht arbeiten und dadurch Mieten und Essen nicht zahlen. «Viele haben sich vorübergehend in ihren eigenen Netzwerken, Familien, Verwandten oder Kirchen, auffangen können», sagt Karin Jenni von der Anlaufstelle für Sans-Papiers in Bern.

SVP sieht es anders

Die Bilder aus Genf passen nicht zum Image der reichen Schweiz und schon gar nicht zur UNO-Stadt Genf, der Welthauptstadt der Menschenrechte. Die Genfer Universitätsspitäler und die Organisation Ärzte ohne Grenzen haben Anfang Woche in einer Studie die Situation und die Verwundbarkeit der Bittsteller aufgezeigt (siehe Box). Die Studienleiter verlangen für die Betroffenen soziale, medizinische und wirtschaftliche Unterstützung, bis diese wieder arbeiten können.

Die SVP Schweiz sieht das anders. Aufgrund der Genfer Studie sieht sie die Bedürftigen als Gefahr für die Volksgesundheit des Kantons Genf. In einem Communiqué schreibt die SVP: «In Genf kommt ein Covid-19-Fall auf 100 Einwohner. Damit ist der Kanton am stärksten von allen Kantonen von der Pandemie betroffen. Illegale Migranten, wie sie Genf in Verletzung von Bundesrecht zu Zehntausenden toleriert, gehören offenbar zu den Pandemie-Treibern.» Man müsse «illegale Einwanderer konsequent ausschaffen».

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