Zu den erstaunlicheren Phänomenen der Corona-Krise gehört, dass wissenschaftliche Fortschritte neuerdings von Politikern verkündet werden. So trat der israelische Verteidigungsminister Naftali Bennett letzte Woche vor die Presse und berichtete von einem «wichtigen Durchbruch»: Am Israel Institute for Biological Research, einer Forschungseinrichtung zur Abwehr biologischer Gefahren in der israelischen Kleinstadt Ness Ziona, sei es gelungen, «monoklonale neutralisierende Antikörper» gegen das neue Coronavirus zu entwickeln.
Diese könnten den Erreger in Patienten ausschalten. Es klang tatsächlich nach einem Durchbruch. Und die Israelis sind mit ihrer Ankündigung nicht allein. Forschergruppen aus den Niederlanden und auch von der Universität Erlangen wollen vergleichbare Antikörper gegen das neue Coronavirus isoliert haben. Ist Covid-19 in naher Zukunft also heilbar?
Antikörper können dem Virus manchmal auch ungewollt helfen
Die Wahrheit ist etwas komplizierter. Sie hat etwas mit jenen Patienten zu tun, die eine Infektion mit dem neuen Virus bereits überstanden haben. In ihrem Blut finden sich Antikörper gegen den Erreger – komplexe Eiweisse, die der Körper als präzise Waffe gegen das Virus bildet. Das passiert zunächst akut, später über Gedächtniszellen, um das Virus dauerhaft erkennen und beseitigen zu können. Auch Impfungen haben diesen Effekt.
Es entstehen bei jedem Menschen jedoch mehrere Typen Antikörper, und von einem Typ produziert das Immunsystem viele individuelle Varianten. Jede Variante erkennt ein Merkmal von Sars-CoV-2 und kann daran andocken. Doch nur manche Antikörper binden fest genug und erkennen entscheidende Stellen des Erregers. Nur sie können das Virus aufhalten – oder «neutralisieren».

