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Politik

Der Patient Wirtschaft hat Kammerflimmern

Standpunkt-Autorin Sandra Renggli macht sich grosse Sorgen um unsere Wirtschaft. Sie vergleicht sie mit einem Patienten, dem es immer schlechter geht.

Als Ausbildnerin in Erster Hilfe und Firstresponderin habe ich fundierte Kenntnisse in der Reanimation. Firstresponder sind Ersthelfer, meist über die Milizfeuerwehren organisiert, die zu lebensbedrohlichen Notfällen ausrücken, um zeitnah mit den lebenserhaltenden Sofortmassnahmen beginnen zu können, um wichtige Zeit bis zum Eintreffen der Ambulanz und des Notarztes zu überbrücken. Wenn ich einen Patienten antreffe, gilt es sofort die Situation ab-, und einzuschätzen, wobei Sicherheit und Eigenschutz das oberste Gebot sind. Danach erfolgt eine sehr schnelle Einschätzung des Patienten, um sofort die richtigen Massnahmen einleiten zu können.

Bei der Frage, in welchem Zustand sich der Patient Wirtschaft befindet, versuche ich einmal so vorzugehen, wie bei meinen Einsätzen. Als Erstes werden immer die Atmung und der Puls des Patienten kontrolliert. Dies zeigt, ob der Kreislauf noch arbeitet oder nicht. Wie ist denn der Puls der Wirtschaft zu fühlen? Welches sind zuverlässige Konjunkturindikatoren? Das Bruttoinlandprodukt BIP, die Geldmenge, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, die Arbeitslosenzahlen, Zinsen, Aktienkurse, Preise von Lebensmitteln, Öl, Edelmetalle, Bondmärkte und vieles mehr sollten Aufschluss darüber geben, wie es unserem Patienten geht.

Beim Messen der Parameter fällt mir an unserem Patienten Wirtschaft auf, dass die Werte kein normales Bild ergeben. Viele Werte sind tief, andere viel zu hoch, aber der Aktienmarkt steigt an. Zu vergleichen mit einem sehr hohen Blutdruck, aber dem Patienten geht es immer schlechter. Das Herz pumpt immer schneller und fester, das Karussell an der Börse dreht immer schneller. Nur eine Aufgabe ist jetzt wichtig, den Kreislauf aufrecht zu erhalten, immer mehr Geld ins System zu pumpen, ungeachtet der Auswirkungen.

«Warum und wann ist unsere Wirtschaft zum Patienten geworden?»

Das Herz, in diesem Fall das kapitalistische System, droht zu versagen. Dagegen sacken andere Werte in den Keller oder steigen an. Der Zustand unseres Patienten verschlechtert sich zunehmend und rasant. Eigentlich spielt bei meinen Einsätzen die Ursache, warum jemand in Not gerät, eine untergeordnete Rolle, gibt aber doch Aufschluss und kann mithelfen, die richtigen Massnahmen zu treffen. Warum und wann ist unsere Wirtschaft zum Patienten geworden? Erst seit der Corona-Infektion oder gab es da schon Vorerkrankungen?

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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