Was Ernest Hemingway und Agatha Christie mit Corona zu tun haben
Einfach zusammenklappen und wegpacken – was man mit dem Corona-Virus gerne machen würde, ist mit dem gleichnamigen Schreibmaschinenmodell möglich. Im Jahr 1920 in den USA gebaut, schreibe sie noch «wie am ersten Tag», wie ihr Besitzer Stefan Beck erzählt. Der leidenschaftliche Sammler betreibt in Pfäffikon zusammen mit seiner Frau das Schreibmaschinenmuseum mit insgesamt 400 Ausstellungsstücken.
Die Corona-Schreibmaschine sei eine der ersten aus Aluminium, was neben einem geringeren Gewicht auch Vorteile für die Herstellung gebracht habe. «Früher gab es noch nicht so gute Werkzeuge, um das Material zu formen», sagt Beck. «Da war das Material manchmal stärker als das Werkzeug.» In Sachen Preis sei die Corona mit einem Wert von 150 bis 200 Franken im niedrigsten Segment aller Ausstellungsstücke. «Aber dass sie sich zusammenklappen lässt, ist eine schöne Eigenart, woran die Besucher jeweils Freude haben.»
Das Schreibmaschinenmuseum hat Stefan Beck 1992 im Industrieareal Witzberg eröffnet. Die Sammlung wachse stetig weiter. «Es gibt nach wie vor ein paar Wünsche, die wir uns erfüllen wollen», sagt er. Als ehemaliger Mechaniker fasziniere ihn die filigrane Technik der Schreibmaschinen wie am ersten Tag.
Alle Informationen im Kopf
Monatlich führen Beck und seine Frau zwei bis drei Führungen durch. Für ihn sind diese Repetitionen wichtig. «Da meine Sehkraft mittlerweile stark nachgelassen hat, habe ich alle Informationen und Jahrgänge im Kopf. Die Wiederholungen helfen, das Wissen zu behalten.» Dass die Schreib- und Rechenmaschinen, die im Museum ausgestellt sind, alle noch funktionieren, sei denn auch primär seiner Frau zu verdanken. «Sie kümmert sich um die Reparaturen der mechanischen Teile.»
Auf Corona-Schreibmaschinen haben gemäss einigen Onlinequellen auch Schriftsteller wie Ernest Hemingway oder Agatha Christie ihre Werke verfasst. Hergestellt werden sie schon lange nicht mehr. «Die weltweit letzte Schreibmaschine überhaupt wurde wohl vor etwa fünf Jahren in Mumbai zusammengeschraubt», sagt Stefan Beck. Derzeit gebe es keine Hersteller mehr – aber Gerüchte darüber.
Ein befreundeter Sammler in Russland betreibe ebenfalls ein Schreibmaschinenmuseum. «Er hat erzählt, man munkle, dass die russische Regierung wieder auf Depeschen ausweichen wolle, die mit Schreibmaschinen geschrieben wurde», sagt Beck. Dies, um die Gefahr von Hackern zu eliminieren. «Darum hat unser Bekannte in Russland begonnen, auch geläufige Maschinen zu erwerben, um sie bei Bedarf der Regierung weiterverkaufen zu können.»
Letzte Führung im Januar
Im Pfäffiker Schreibmaschinenmuseum setzt man jedoch nach wie vor auf wertvolle Einzelstücke. Momentan ist es wie alle Museen geschlossen. Da Beck schon über 80 Jahre alt ist, nehme er die Lage besonders ernst. «Die letzte Führung hatten wir im Januar, wann die nächste stattfinden kann, wissen wir nicht.»
Um die Zukunft der Sammlung macht sich Stefan Beck hingegen keine Sorgen. Zwar hätten seine Kinder keine vergleichbare Sammelleidenschaft entwickelt. «Aber da meine Frau um einiges jünger ist, könnte sie das Museum auch betreiben, wenn ich nicht mehr da bin. Wir setzen uns nicht unter Druck.»
