«Bleiben Sie zu Hause! Waschen Sie sich regelmässig die Hände!» Der Bundesrat bereitete die Schweiz gerade auf den Lockdown vor und riet zu eiserner Selbstisolierung, da öffnete der Kanton Genf die Türen seines Ausschaffungsgefängnisses Favra. Rund 20 abgewiesene Asylsuchende standen unverhofft auf der Strasse. Ihre wenigen Habseligkeiten in den Händen, mussten sie sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Dabei blieb es nicht.
Genf schloss auch Frambois, sein zweites Ausschaffungsgefängnis beim Flughafen, in dem auch die Kantone Waadt und Neuenburg abgewiesene Asylsuchende platzieren. Von den Vorkommnissen in Favra aufgeschreckt, eilte die kirchliche Seelsorgerin Véronique Egger zum Gefängnis.
Dort traf sie einen Mann, der bei seinen Verwandten abtauchen wollte, aber orientierungslos war und kaum Geld besass. Abgesehen von einem Empfangszentrum hatte er von der Schweiz noch nichts gesehen. Egger brachte ihn zum Bahnhof, kaufte ihm ein Billett und setzte ihn in den richtigen Zug.
Sich selbst überlassen
Wenige Tage später kontaktierte der Mann die Seelsorgerin wieder: Er habe Corona. Es stellte sich heraus, dass in Frambois zwei Häftlinge und sechs Mitarbeiter an Corona erkrankt waren. Einzelne Mitarbeiter mussten gar ins Spital.

