Trotz Homeoffice, überlasteten Netzen und Corona-Verschwörungstheorien: Die Angst vor Mobilfunkstrahlung und dem 5G-Ausbau ist derzeit nicht mehr im Fokus. Dabei ist es noch nicht sehr lange her, dass in der Schweiz der Widerstand gegen den neuen Mobilfunkstandard hochkochte. Im November erschien dann ein langersehnter, viel diskutierter Bericht im Auftrag des Bundes.
Im Schatten der Coronavirus-Krise hat nun der Bundesrat am Mittwoch zu 5G entschieden. Er will zwar an der Einführung des neuen Mobilfunkstandards festhalten und diese mit Massnahmen wie einem Monitoring sowie einer Vereinfachung im Vollzug begleiten. Die Anlagegrenzwerte sollen aber «zurzeit unverändert» bleiben. Dies, weil sich die Arbeitsgruppe, die den 5G-Bericht verfasste, nicht auf eine gemeinsame Empfehlung einigen konnte. Zudem habe das Parlament zweimal eine Lockerung der Grenzwerte abgelehnt.
Für Anbieter eine schlechte Nachricht: Gemäss Szenario im 5G-Bericht bedeutet der Entscheid, dass die vollständige Einführung von 5G zwanzig bis dreissig Jahre dauern könnte, bei Kosten von fast acht Milliarden Franken. Insgesamt dürften rund 26’000 zusätzliche Antennenstandorte nötig werden, 5000 bestehende Anlagen müssten zudem nachgerüstet werden.
Expertenbericht gibt Entwarnung
Der Entscheid des Bundesrats war nicht unbedingt zu erwarten. Im Gegensatz zur Schweizer 5G-Arbeitsgruppe hat sich unlängst die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (ICNIRP) deutlich geäussert. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, publizierte das einflussreiche Gremium Mitte März seine neuen Richtlinien zur Exposition durch elektromagnetische Felder(EMF), worunter auch die nicht ionisierende Strahlung durch Mobiltelefone und Mobilfunkmasten fällt.

