Die 6 Milliarden Franken hätten ein Schutzwall für die Arbeitslosenversicherung (ALV) sein sollen. Am 20. März hatte der Bundesrat sie aus der Bundeskasse überwiesen. Die ALV sollte damit die Kosten für die Kurzarbeit in der Corona-Krise decken. Schätzungen der Gewerkschaften zeigen nun aber: Das Geld ist bereits weg. Angesichts der vielen Gesuche dürfte es nur für die Verpflichtungen aus den Monaten März und April reichen, sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbundes. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wollte hierzu keine Angaben machen.
Die Zahl der Gesuche hat in kürzester Zeit ein Ausmass erreicht, das bislang unvorstellbar war. Bis Mitte Woche wurden gemäss dem Seco für rund 1,85 Millionen Arbeitnehmer Anträge auf Kurzarbeit eingereicht. Das ist mehr als jeder dritte Arbeitnehmer in der Schweiz. Von Montag bis Mittwoch sind nochmals gegen 40’000 Personen hinzugekommen. Zum Vergleich: 2009 – auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – waren knapp 100’000 Personen auf Kurzarbeit. Damals kostete dies die ALV innert eines Jahres 1 Milliarde.
Die ALV muss 2020 mit einem Rekordverlust rechnen. Finanzminister Ueli Maurer sprach am Mittwoch an der Pressekonferenz des Bundesrats über Forderungen von mindestens 15 Milliarden Franken, die auf die Versicherung zukämen – je nachdem wie lange die Nachfrage nach Kurzarbeitsentschädigung anhält und wie stark die Arbeitslosigkeit steigt. Das Seco selber erwartet, dass die ALV das Jahr mit einer «substanziellen Verschuldung» abschliesst.
8,1 Milliarden Schulden sind erlaubt
Der Bundesrat steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er nochmals Milliarden aus der Bundeskasse in die ALV einschiessen oder nicht? Maurer sagte am Mittwoch, dass der Entscheid im 3. Quartal gefällt werde. Dessen Folgen wird jeder Angestellte ab Ende Jahr auf seinem Lohnzettel bemerken.

