Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

«Ein Jahr mit mehr Wespen kann für den Menschen Vorteile haben»

Ungewöhnlich frühe Sichtungen von Wespenköniginnen lassen aufhorchen: Steht uns in diesem Sommer eine Wespenplage bevor? Antonia Zurbuchen, Insektenwissenschaftlerin und Leiterin des Naturzentrums Pfäffikersee, gibt eine Einschätzung.

Die Wespen sind derzeit schon fleissig unterwegs., Nur Wespenköniginnen wie diese auf dem Bild überwintern und gründen im Herbst ein neues Volk. , Antonia Zurbuchen plädiert für mehr Rücksicht, wenn es um die Entfernung von Wespen geht.

PD

«Ein Jahr mit mehr Wespen kann für den Menschen Vorteile haben»

Frau Zurbuchen, haben Sie in diesem Frühling schon Wespenköniginnen gesehen?
Antonia Zurbuchen: Ja, da ich mich momentan oft auf meinem Balkon in Pfäffikon aufhalte, konnte ich schon einige beobachten, die auf der Suche nach Nistplätzen sind. Bei den Wespen überwintern nur die Königinnen, die dann im Frühling ein neues Volk gründen. Zuerst kümmert sich die Königin um den Nachwuchs, sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese den Nestbau und gehen auf Futtersuche. Die Königin bleibt ab dann im Nest.

Liegt es am milden Winter, dass die Wespen bereits früher als üblich aktiv sind?
Der Grund ist eher, dass es jetzt im April so warm ist. Insekten sind wärmeliebend und die meisten Arten darum früher unterwegs. Wespen sind als Fleischfresser auf andere Insekten als Nahrung angewiesen – sobald diese verfügbar sind, beginnen sie auch mit dem Nestbau und der Aufzucht der Völker.

Dann muss man also tatsächlich davon ausgehen, dass es dieses Jahr überdurchschnittlich viele Wespen gibt?
Nur weil die Bedingungen jetzt gut sind, lässt sich noch lange nicht auf eine Plage schliessen. Bei einem längeren Kälteeinbruch oder starkem Regen kann sich die Situation wieder ändern. Dann bleiben die Wespen in ihrem Unterschlupf, können ihr Nest nicht weiter ausbauen und müssen sich von den Reserven ernähren, die eigentlich für den Nachwuchs vorgesehen wären. Dieses Szenario kann während den nächsten Monaten jederzeit eintreffen. Aber auch wenn es in diesem Jahr mehr Wespen gibt, kann das für den Menschen Vorteile haben.

Zum Beispiel?
Die Aufgabe der Wespen in der Natur ist es unter anderem, die Population anderer Insekten zu kontrollieren. Gerade Mücken, die für uns äusserst unangenehm sind, stehen weit oben auf ihrem Speisezettel. Und auch diese Tiere vermehren sich momentan sehr stark.

« Die Wespen haben ihren Platz in der Natur. Sie räumen mit anderen Plagegeistern auf. »

Antonia Zurbuchen

Man sollte sich also zweimal überlegen, ob man lieber Mücken oder Wespen ums Haus hat, bevor man ein Nest entfernen lässt?
So könnte man es sagen, ja. Ohne solche Räuber wie die Wespen würden wir uns über Mücken und Fliegen ärgern.  Sie bauen zudem jedes Jahr ein komplett neues Nest. Man muss also nicht etwa aus Angst, dass ein Nest von Jahr zu Jahr grösser wird, bei den ersten Anzeichen gleich den Schädlingsbekämpfer alarmieren.

Wann sollte trotzdem eingegriffen werden?
Je nachdem, wo sich das Wespennest befindet, kann man es gut in Ruhe lassen. Vielleicht sollte man dann das nahegelegenste Fenster nicht mehr öffnen oder darauf achten, dass Kinder nicht in unmittelbarer Nähe spielen. Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Nest am unpassendsten Ort, etwa direkt über dem Terrassentisch gebaut wurde und dann verstehe ich auch, dass man es entfernen lässt. Aber Wespen sind nicht automatisch eine Bedrohung, wenn man sie in Ruhe lässt. Oft locken wir die Tiere durch das Aufstellen von Fallen mit süss duftenden Flüssigkeiten überhaupt erst in die Bereiche, in denen wir sie nicht möchten. Dass nun viele vor einer Wespenplage warnen, halte ich für unbegründete Angstmacherei. Die Wespen haben ihren Platz in der Natur. Sie räumen mit anderen Plagegeistern auf. Davon sollten wir dankend profitieren.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns