Frau Zurbuchen, haben Sie in diesem Frühling schon Wespenköniginnen gesehen?
Antonia Zurbuchen: Ja, da ich mich momentan oft auf meinem Balkon in Pfäffikon aufhalte, konnte ich schon einige beobachten, die auf der Suche nach Nistplätzen sind. Bei den Wespen überwintern nur die Königinnen, die dann im Frühling ein neues Volk gründen. Zuerst kümmert sich die Königin um den Nachwuchs, sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese den Nestbau und gehen auf Futtersuche. Die Königin bleibt ab dann im Nest.
Liegt es am milden Winter, dass die Wespen bereits früher als üblich aktiv sind?
Der Grund ist eher, dass es jetzt im April so warm ist. Insekten sind wärmeliebend und die meisten Arten darum früher unterwegs. Wespen sind als Fleischfresser auf andere Insekten als Nahrung angewiesen – sobald diese verfügbar sind, beginnen sie auch mit dem Nestbau und der Aufzucht der Völker.
Dann muss man also tatsächlich davon ausgehen, dass es dieses Jahr überdurchschnittlich viele Wespen gibt?
Nur weil die Bedingungen jetzt gut sind, lässt sich noch lange nicht auf eine Plage schliessen. Bei einem längeren Kälteeinbruch oder starkem Regen kann sich die Situation wieder ändern. Dann bleiben die Wespen in ihrem Unterschlupf, können ihr Nest nicht weiter ausbauen und müssen sich von den Reserven ernähren, die eigentlich für den Nachwuchs vorgesehen wären. Dieses Szenario kann während den nächsten Monaten jederzeit eintreffen. Aber auch wenn es in diesem Jahr mehr Wespen gibt, kann das für den Menschen Vorteile haben.
Zum Beispiel?
Die Aufgabe der Wespen in der Natur ist es unter anderem, die Population anderer Insekten zu kontrollieren. Gerade Mücken, die für uns äusserst unangenehm sind, stehen weit oben auf ihrem Speisezettel. Und auch diese Tiere vermehren sich momentan sehr stark.
« Die Wespen haben ihren Platz in der Natur. Sie räumen mit anderen Plagegeistern auf. »
Antonia Zurbuchen

