«Die Fluggesellschaften stecken in einer kritischen Liquiditätskrise.» Das behauptet nicht irgendwer, sondern das schreibt die internationale Dachorganisation der Fluggesellschaften Iata in einem offenen Brief, den sie auf ihrer Internetplattform veröffentlicht hat. Der Brief richtet sich an Reiseagenturen. Die Agenturen müssen ihren Kunden Geld für Pauschalreisen zurückzahlen, die aufgrund der Corona-Krise ausgefallen sind. Natürlich verlangen die Reiseagenturen ihrerseits von den Airlines Geld für annullierte Flüge zurück.
Doch da der Betrieb weitgehend eingestellt ist und die Einnahmen weggebrochen sind, bleiben diese Zahlungen aus, wofür die Iata um Verständnis bittet. Die verbleibenden finanziellen Mittel müssten zuerst für Lohnzahlungen und Fixkosten verwendet werden, bevor Geld für ausgefallene Flüge vergütet werden könne.
«Wir stellen derzeit bei allen Airlines fest, dass sie Geld für annullierte Flüge nicht zurückbezahlen.»
Simon Sommer, Fluggastrechtsjurist und Mitgründer von Cancelled.ch
Schon zu Beginn der Corona-Krise stellte die Iata fest, dass 75 Prozent der Mitglieder nur über Liquidität während den kommenden drei Monaten verfügen. Die Liquiditätsprobleme haben auch die Schweizer Fluggesellschaften erreicht, was das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt. Wie in anderen Ländern steht deshalb auch in der Schweiz eine staatliche Überbrückungshilfe zur Diskussion.
Neben Reisebüros bekommen auch Konsumentinnen und Konsumenten, die selber Flüge gebucht haben, die Liquiditätsprobleme der Airlines zu spüren. «Wir stellen derzeit bei allen Airlines fest, dass sie Geld für annullierte Flüge nicht zurückbezahlen», sagt Simon Sommer, Fluggastrechtsjurist und Mitgründer von Cancelled.ch. Das Unternehmen setzt sich wie Airhelp oder Flightright – in der Regel auf der Basis einer Erfolgsprovision – für die Rechte von Reisenden gegenüber Fluggesellschaften ein.

