Der erste Schluck ist für den «Capo» reserviert. Ein geheimnisvolles Lächeln. Robert Irsslinger, Winzer aus Wangen, lässt den Wein vorsichtig aus einem Schlauch träufeln, der in der moosbeschichteten Boje steckt. 144 Tage lang hat die Weinboje im See geschaukelt – das ist nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Der Wasserspiegel hat eine klare Linie auf dem hellen Stahl hinterlassen.
Am Rapperswiler Hafen sind an diesem Nachmittag alle Augen auf den jungen Winzer gerichtet, der sich an der 1,80 Meter hohen Weinboje zu schaffen macht. Schraube für Schraube löst er den schweren Deckel. Gleich wird er zum zweiten Mal eine Kostprobe aus dem mit Weisswein gefüllten «Wellentänzer» nehmen. Das erste Mal war vor rund drei Monaten, quasi in der Halbzeit. Bereits da, sagt der 27-Jährige, habe er einen Unterschied feststellen können: Der «Wellentänzer-Wein» schmecke anders als die andere Hälfte der Weinsorte, die im Keller heranreife. Seine Frau habe dies in einem Blindtest bezeugt.
Tänzerin auf dem Wasser
Szenenwechsel: Eine halbe Stunde vorher schaukelt die Weinboje noch gemächlich an der Spitze der Rapperswiler Hafenmole. Ein Boot mit einem Taucher tuckert heran, Schaulustige beäugen den schwimmenden Koloss, auf dessen Spitze eine Ballerina Pirouetten dreht. Sie gibt dem Projekt den Namen «Wellentänzer vom Zürichsee».

