Seit Monaten rätseln Ärzte in aller Welt, weshalb so viele schwer erkrankte Covid-19-Patienten Bluthochdruck hatten. In der Schweiz litten sechs von zehn verstorbenen Personen daran, in Italien sogar sieben von zehn.
Täglich erscheinen neue Fachartikel, in denen Mediziner die verschiedenen Hypothesen diskutieren. Denn Bluthochdruck ist bei Virusinfektionen mit Husten und Erkältungssymptomen normalerweise kein typischer Risikofaktor.
Eine Hypothese lautet: Covid-19 wird mit zunehmendem Alter gefährlicher, und Bluthochdruck wird mit zunehmendem Alter häufiger. Deshalb könne es sein, dass der Bluthochdruck per se gar kein Grund für die schweren Erkrankungen sei, sondern dass vor allem das Alter den Ausschlag gebe, vermutet der Lausanner Blutdruckspezialist Michel Burnier. Die in der Schweiz verstorbenen Personen waren im Mittel 84 Jahre alt.
Gegensätzliche Hypothesen
Eine zweite Hypothese besagt: Bestimmte Blutdrucksenker könnten die schweren Krankheitsverläufe begünstigen. Infektiologen des St. Galler Kantonsspitals posteten diese Mutmassung im Februar auf ihrer Website, und zwei Fachärzte vom Berner Inselspital stellten die Hypothese in der britischen Ärztezeitung zur Diskussion.

