Verreisen ist nach wie vor eine unpassende Angelegenheit. Doch wenn wir nicht in die Ferne dürfen, lassen wir halt die Ferne zu uns kommen. Also schwelge ich in der Vergangenheit und lass mir durch Erinnerungsfotos helfen. Da sind beispielsweise die Bilder aus Berlin.
Mitten in einer Hotellobby – wir waren dort zu einem berufliches Meeting verabredet – stand dieses fantastische Kleid. Auf einem schwarzen, dehnbaren Stoff waren Löffelchen und Gäbelchen drapiert, alle aus Plastik. Öffnete sich in der Nähe eine Türe, klirrte – nein, das kann ich beim besten Willen nicht als «Klirren» bezeichnen – klapperte es kaum hörbar im Durchzug.
Ich stelle mir vor, dass die Trägerin vor allem als Begleiterin für ein Festbuffet begehrt ist. Allerdings kann es sich nicht um Spitzengastronomie handeln, denn wer würde erlesene Happen mit einer Plastikgabel aufspiessen? Und auch als Ballpartnerin kommt die so festlich Geschmückte kaum in Frage. Auf der Tanzfläche, im Gedränge oder gar beim engen Schwof wäre das Besteck höchst unromantisch. Wahrscheinlich handelt es sich um eine dieser exklusiven Designerkreationen, die völlig unbrauchbar sind. Aber atemberaubend schön. (Guy A. Lang)

