«Ich war besorgt, doch seit ein paar Tagen ist klar, dass die Ansteckungsrate sinkt», sagt Tanja Stadler.Die ETH-Professorin am Departement für Biosysteme in Basel analysiert mit ihrem Team fast in Echtzeit die Corona-Ansteckungszahlen in der Schweiz.
In einer aktuellen Veröffentlichung kommt sie zum Schluss, dass das beherzte Eingreifen des Bundesrats Wirkung gezeigt hat: «Die Lage ist stabil,wir haben die Ausbreitung definitiv stark gebremst.» Dabei stützt sie sich auf die sogenannte Reproduktionszahl, so nennen Fachleute die Anzahl Menschen, die eine infizierte Person insgesamt ansteckt. Ist der Wert grösser als 1, breitet sich ein Erreger exponentiell aus. Darunter sinkt die Zahl der Infizierten, und es kann gelingen, eine Epidemiewelle zu stoppen.
Dieser Zustand scheint in der Schweiz Ende März eingetroffen zu sein. «Momentan liegt der Wert gemäss unseren Berechnungen bei rund 0,6», sagt Stadler. Die Zahl der Ansteckungen nimmt seither ab.
Mit Unsicherheit behaftet
Die ETH-Forscher um Tanja Stadler berechneten die Reproduktionszahl aufgrund der Anzahl positiver Sars-CoV-2-Tests, welche die Kantone täglich bekannt geben.Dabei analysierten sie die schweizweiten Zahlen sowie diejenigen von zehn stark betroffenen Kantonen. Aufgrund bisheriger Schätzungen gingen die Forscher davon aus, dass die Ansteckung jeweils zehn Tage vor dem Erfassen eines positiven Tests erfolgte.

